08.03.2010

Nigeria: Entsetzen über Massaker an Christen in Nigeria

Mehr als 500 Tote

Nigeria: Entsetzen über Massaker an Christen in Nigeria

Mehr als 500 Tote

SPIEGELONLINE 08.03.2010 Hunderte Dorfbewohner sind in Nigeria brutal ermordet worden - offenbar bei einer Racheaktion von Muslimen an Christen. Mit großer Besorgnis hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon auf den Gewaltausbruch reagiert. Wie US-Außenministerin Clinton rief er beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

Nairobi/Abuja/New York - Der erneute Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen in Nigeria hat international große Besorgnis ausgelöst: Bei den Unruhen im Bundesstaat Plateau waren nach Angaben der Behörden am Sonntag mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief beide Seiten zur äußersten Zurückhaltung auf. "Die politischen und religiösen Führer des Landes sollten sich zusammensetzen und eine dauerhafte Lösung für die Ursachen der Gewalt ausarbeiten", schlug Ban in einer Erklärung vom Montag vor.

Der Vatikan zeigte sich über die blutigen Auseinandersetzungen entsetzt. Ein Sprecher bekundete "Schmerz und Besorgnis" angesichts der "grausamen Gewalttaten" in dem westafrikanischen Land. Es handele sich jedoch "nicht um religiöse, sondern um soziale Unruhen", zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Pressesprecher des Heiligen Stuhls, Padre Federico Lombardi.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief alle Beteiligten zu "äußerster Besonnenheit" auf. "Ich erwarte von den Verantwortlichen in Nigeria, dass sie alles tun, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen", hieß es in einer Erklärung Westerwelles.

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton hat die nigerianische Regierung zu einer Aufklärung des Massakers und zu einer Bestrafung der Täter aufgerufen. Die Regierung müsse dafür sorgen, "dass die Verantwortlichen für die Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden und die Menschenrechte geachtet werden", sagte Clinton am Montag in Washington. "Wir rufen alle Parteien dringend auf, sich zurückzuhalten und einen konstruktiven Ausweg aus dem Kreislauf der Gewalt zu suchen."

Drei christliche Dörfer von muslimischen Nomaden angegriffen

Am Montag war bekanntgeworden, dass bei den Unruhen weit mehr Menschen getötet wurden als zunächst angenommen. Muslimische Nomaden hatten in der Nacht zum Sonntag drei christliche Dörfer angegriffen. Dabei wurden binnen drei Stunden mehr als 500 Christen mit Macheten oder Äxten getötet und anschließend verbrannt, wie die Behörden mitteilten. Zunächst war von rund hundert Toten die Rede gewesen.

"Die Menschen wurden mit Äxten, Dolchen und Macheten angegriffen - viele von ihnen Kinder, Alte und schwangere Frauen", sagte ein Sprecher der Regierung. Mehr als 200 Menschen würden im Krankenhaus von Jos behandelt, der Hauptstadt des zentralen Bundesstaates Plateau. Ein Sprecher des Gouverneurs von Plateau, Dan Manjang, machte Hirten des muslimischen Nomadenvolks der Fulani für die Attacken verantwortlich. Die Behörden hätten 95 Menschen festgenommen. Einem Pressebericht zufolge waren es 300 bis 500 Angreifer.

Nach Angaben von Überlebenden aus dem Dorf Dogo Nahawa stürmten die Angreifer mitten in der Nacht zum Sonntag die Ortschaft, brannten die Hütten nieder und töteten die Einwohner auf brutalste Weise. Flüchtende Dorfbewohner hätten sich in Tierfallen und Fischernetzen verfangen, die von den Angreifern aufgestellt worden seien.