10.04.2011
Türkei: Rechts-Partei strebt Missionierungsverbot an
Mission ist angeblich eine „Gefahr für die gesamte Menschheit"
Türkei: Rechts-Partei strebt Missionierungsverbot an
Mission ist angeblich eine „Gefahr für die gesamte Menschheit"
Ankara (idea) – Ein gesetzliches Betätigungsverbot für christliche Missionare in der Türkei strebt die dortige rechtsgerichtete Demokratische Partei (DP) an. Am 12. Juni wählen die Türken ein neues Parlament. Bei den letzten Wahlen vor vier Jahren bekam die DP lediglich 5,4 Prozent der Stimmen und scheiterte damit an der Zehn-Prozent-Hürde. Ihren diesjährigen Wahlkampf bestreitet sie mit provokativen Thesen, wie der katholische Internetdienst Kathweb unter Berufung auf die Zeitung „Cumhuriyet“ berichtet. Danach habe der DP-Vorsitzende, Namik Kemal Zeybek, vor dem Parteivorstand erklärt, christliche Missionierung bedrohe die Türkei und habe mit Glaubensfreiheit nichts zu tun. Seiner Ansicht nach sei die „evangelistisch genannte und mit Dollars unterstützte Missionarstätigkeit“ „eine Gefahr für die gesamte Menschheit". In Europa sei Missionierung gesetzlich verboten. Diese Maßnahmen sollten auch in der Türkei ergriffen werden.
Zahlreiche Angriffe auf evangelische Geistliche
Vor allem bei missionarisch aktiven evangelischen Kirchen in der Türkei haben Zeybeks Äußerungen Besorgnis ausgelöst. Der Sprecher der Vereinigung Protestantischer Kirchen, Soner Tufan, rechne mit zunehmenden Angriffen auf Kirchen und andere Einrichtungen. In den vergangenen Monaten habe es zahlreiche Angriffe auf evangelische Geistliche gegeben, darunter Anfang April einen versuchten Mordanschlag auf den US-Geistlichen Andrew Brunson vor einer Kirche in Izmir. Als Täter nahm die Polizei einen jungen Rechtsnationalisten fest. Medienberichten zufolge habe er zunächst mit Platzpatronen geschossen und dabei gerufen: „Wir jagen euch in die Luft, lasst das Missionieren sein." Beim Versuch, ein Gewehr aus seiner Tasche zu ziehen, sei er von Sicherheitskräften überwältigt worden. Diese seien die in der Umgebung der Kirche postiert gewesen.
Staat schützt Christen
Der Pastor der Baptistengemeinde in Izmir, Ertan Cevik, steht seit der Ermordung von drei Christen im osttürkischen Malatya im Jahr 2007 unter Polizeischutz. Gegenüber idea sagte er, dass sich die Lage bei den Menschenrechten und der Religionsfreiheit für Christen in den letzten Jahren deutlich gebessert habe. Der Staat sei bestrebt, die Christen zu schützen. Probleme bereiteten extremistische Gruppen. Von den 72 Millionen Einwohnern der Türkei sind über 95 Prozent Muslime. Die christliche Minderheit umfasst etwa 120.000 Personen, darunter etwa 4.000 Angehörige evangelikaler Gemeinden.