01.02.2011
Ägypten: Papst Shenouda: Kopten sollen sich nicht an den Demonstrationen beteiligen
IGFM - Regime Mubarak will Demonstranten als Moslembrüder diskreditieren
Ägypten: Papst Shenouda: Kopten sollen sich nicht an den Demonstrationen beteiligen
IGFM - Regime Mubarak will Demonstranten als Moslembrüder diskreditieren
Kairo Frankfurt am Main (2. Februar 2011) Ägyptische Armeeposten aber
auch Polizeieinheiten hinderten Frauen mit Gewalt daran, an den
Demonstrationen in der Innenstadt Kairos teilzunehmen. Die Internationale
Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet unter Berufung auf
ägyptische Frauenrechtlerinnen, dass zahlreiche Frauen es auch im Laufe von
Stunden nicht geschafft hatten, den Tahrir-Platz im Zentrum Kairos zu
erreichen. Die IGFM und ägyptische Menschenrechtler gehen davon aus, dass
das Regime Mubarak versucht, die Demonstranten pauschal als extremistische
Muslim-Brüder zu diskreditieren.
Nach Einschätzung der IGFM versuche Husni Mubarak nach wie vor, sich als
einzige Alternative zu einem von islamischen Extremisten regierten Ägypten
darzustellen. Die Demonstrationen seien aber keineswegs von den
Moslembrüdern oder einer anderen politischen Gruppe initiiert und würden
auch jetzt nicht von ihnen gesteuert. Die Demonstrationen seien vielmehr
nach den Ereignissen in Tunesien von jungen Ägyptern spontan und ohne eine
Führung begonnen worden, so die IGFM. Nach wie vor handle es sich um eine
Erhebung junger Ägypter und nicht um Aktionen islamischer Extremisten.
Bisher war es der Regierung von Husni Mubarak gelungen, die tatsächlich
vorhandene Bedrohung durch islamische Extremisten als Blankoscheck für
Zensur, Folter und Knebelung der Zivilgesellschaft zu missbrauchen. Die
Regierung Mubarak selbst habe, so die IGFM, dafür gesorgt, dass neben den
Islamisten keine bedeutende politische oder zivilgesellschaftliche
Alternative heranwachsen konnte.
Verwüstungen in Kairo außerhalb des Zentrums
Die Bilder, die aus Kairo verfügbar sind, stammen fast ausschließlich vom
Tahrir-Platz, dem zentralen Platz im Zentrum Kairos. Nach Angaben der IGFM
bieten andere Straßenzüge in Kairo zum Teil ein Bild der Verwüstung. Alle
Polizeistationen seien ausgebrannt aber auch Gerichtsgebäude und weitere
Gebäude, die mit der Regierung in Verbindung gebracht wurden, seien
niedergebrannt, zerstört oder rußgeschwärzt. Krankenhäuser in Kairo sind
geplündert und ausgeräumt nach Einschätzung von Kairoer Bürgerkomitees und
Menschenrechtlern durch Polizeibeamte in Zivil.
Kopten im Stadtzentrum: Wir sind alle Ägypter
Nach dem Aufruf des koptischen Papstes Shenouda III. am 30. Januar, nicht an
den Protesten gegen die Regierung Mubarak teilzunehmen, haben im
Stadtzentrum von Kairo einige Kopten demonstrativ Transparente gezeigt. Die
Slogans darauf waren nicht politisch, sondern an die muslimische
Bevölkerungsmehrheit gerichtet: Kopten und Muslime: wir sind alle Ägypter
oder Kopten und Muslime wir sind alle gleich. Nach Angaben der IGFM
handle es sich dabei ausschließlich um Kopten aus der Mittel- und
Oberschicht. Ob auch Kopten aus den zahlreichen Slums Kairos an den
Demonstrationen teilnähmen, sei unklar. Sie würden sich in jedem Fall nicht
als Kopten besonders kenntlich machen.