03.02.2011

Afghanistan: Briefe aus dem Gefängnis: Said Musa bittet um Beistand

(Open Doors) –  4. Februar 2011 – Keine Bewegung gibt es derzeit im Fall des
in Afghanistan eingesperrten Christen Said Musa. Der für den 21. November
2010 angesetzte Prozess wurde kurzfristig ausgesetzt. Bis heute hat es
keinen neuen Termin gegeben. Afghanistan belegt auf dem Weltverfolgungsindex
von Open Doors Platz 3 in der Liste von Ländern, in denen Christen am
stärksten verfolgt werden.



Musa ist seit acht Monaten im Gefängnis. Bislang hat er keinen Anwalt, der
ihn vertritt. Behörden hatten den Besuch eines ausländischen Anwaltes
untersagt. Ein christlicher Anwalt, der anonym bleiben möchte, war im
Auftrag der Anwaltsorganisation "Advocates International" im November 2010
nach Kabul gereist, um Musa zu vertreten.



Said Musa, ein ehemaliger Muslim, kam vor neun Jahren zum christlichen
Glauben. 16 Jahre lang war er für das Internationale Rote Kreuz in Kabul
tätig. Er und seine Frau haben sechs Kinder. Am 31. Mai 2010 wurde Musa
verhaftet, nachdem der afghanische Fernsehsender "Noorin TV" Bilder einer
Taufe von Muslimen, die zum Christentum konvertiert sind, gezeigt hatte.
Ihre Gesichter wurden in dem Beitrag offen gezeigt.

In mehreren Briefen aus dem Gefängnis lässt Said Musa die Welt wissen, wie
es um ihn steht. In einem ersten Brief schrieb er, er werde von
Gefängniswärtern und Mithäftlingen sexuell missbraucht, misshandelt und
gedemütigt. Nur Tage nachdem der Brief in Umlauf kam, wurde er in ein
Haftzentrum auf dem Gelände des Gouverneurs von Kabul erreicht.



In seinem jüngsten Brief vom 25. Januar schreibt der 46-Jährige (Auszug):

"Seit acht Monaten bin ich schon im Gefängnis, ohne dass man mich offiziell
angeklagt hat. Immer, wenn ich jemanden bat, mich zu verteidigen, wurde ich
gefragt: 'Bist du bereit, Muslim zu werden?' Jedes Mal verneinte ich. Darauf
bekam ich zur Antwort: 'Dann kann ich dich vor Gericht nicht verteidigen.'
Doch ich glaube an den allmächtigen Gott und an seinen Sohn. Mein Herr ist
das Licht der Welt. Er lebt. Und er richtet über Leben und Tod. Jede
Autorität im Himmel und auf Erden ist unter seiner Kontrolle."

"Ich bin ein Mensch und ich habe Freiheit. Auch meine Regierung hat
internationale Menschenrechtskonventionen anerkannt. Diese garantieren auch
Religionsfreiheit. Ich habe kein Verbrechen begangen, weder gegen meine
Landsleute noch gegen die Regierung. Meine einzige "Schuld" ist, dass ich an
Jesus Christus als den Retter glaube. Ich habe sieben Familienmitglieder und
bin der einzige Versorger. Mein ältester Sohn ist neun Jahre alt. Vor 24
Jahren habe ich durch eine Mine in der Provinz Kandahar mein Bein verloren."


"Ich flehe euch an, ihr Brüder und Schwestern überall auf der Welt, helft
mir und befreit mich! Ich stehe allein da. Doch ich weiß, dass der Herr
Jesus immer bei mir ist. Er hat es versprochen. Ich bitte um eure
Anteilnahme, um Gnade und Hilfe. Acht Monate schon bin ich im Gefängnis."

(Anm.d.Red.: Wir hatten bislang auf Wunsch einer der betreuenden
Organisationen auf Namensnennung verzichtet. Nachdem die beiden Fällen
publik geworden sind, macht das keinen Sinn mehr.)