25.02.2011
Afghanistan: Said Musa ist frei!
Der seit neun Monaten inhaftierte afghanische Christ Said Musa ist nach intensiven diplomatischen Bemühungen freigelassen worden
Afghanistan: Said Musa ist frei!
Der seit neun Monaten inhaftierte afghanische Christ Said Musa ist nach intensiven diplomatischen Bemühungen freigelassen worden
(ISTANBUL, 25. Februar 2011) – Der seit neun Monaten inhaftierte afghanische Christ Said Musa ist nach intensiven diplomatischen Bemühungen freigelassen worden. Er war wegen Apostasie – des Abfalls vom Islam – angeklagt, nach islamischem Recht drohte ihm die Todesstrafe. Wie eine einheimische Quelle dem Nachrichtendienst Compass Direct sagte, wurde der 46 Jahre alte Musa in der letzten Woche entlassen und hat das Land am 21. Februar mit unbekanntem Ziel verlassen.Er hat eine Reihe von Briefen aus dem Gefängnis geschrieben. In seinem letzten Brief vom 13. Februar teilt Musa, beinamputiert und Vater von sechs Kindern, mit, dass ihn Vertreter verschiedener Botschaften in Kabul besucht und ihm Asyl angeboten hätten. Wie aus seinem Brief weiter hervorgeht, wurde Said Musa von afghanischen Beamten in einen anderen Raum geführt, als die Botschaftsmitarbeiter das Gefängnis verlassen hatten. Drei Beamte versuchten, ihn zum Leugnen seines christlichen Glaubens zu überreden. Sie versprachen ihm die Freilassung binnen 24 Stunden. Er weigerte sich und wurde in seine Zelle zurückgeschickt. „Ich bin ein Diener Jesu Christi“
Wenn sich viele einsetzen
Wie Musa in seinem Brief schreibt, teilte er den Beamten mit, dass er dem Islam nicht mehr folgen könne. „Ich bin ein Diener Jesu Christi. Sie nötigten mich sehr, aber ich lehnte alle ihre Forderungen ab.“ Einzelheiten der Freilassung sowie sein derzeitiger Aufenthaltsort bleiben vertraulich, um ihn und seine Familie, die nach Quellen im Land weiterhin gefährdet ist, zu schützen.Wegen „Abfalls vom Islam“ angeklagtSaid Musa wurde im Gefängnis zunächst geschlagen, missbraucht, verspottet und mit Schlafentzug gequält, bevor internationaler Druck zumindest erreichte, dass er im November 2010 in ein Gefängnis verlegt wurde, in dem er besser geschützt war. Ihm wurde im Prozess aber keine anwaltliche Vertretung erlaubt, auch die Prozessbeobachtung durch internationale Vertreter war nicht möglich.
Sorge um anderen Christen
Wegen Apostasie immer noch im Gefängnis ist Shoib Assadullah, ein Christ, der seit Oktober 2010 im Distriktgefängnis von Mazar-i-Sharif sitzt. Auch ihm droht die Todesstrafe, auch er wurde unter Druck gesetzt, den christlichen Glauben wieder aufzugeben. Im Verfahren, welches nach afghanischem Recht rasch beginnen muss, weil sonst Fristen ablaufen, wird er nicht durch einen Anwalt vertreten. In einem Brief vom 17. Februar 2011 schreibt er unter anderem: „Ich wurde nicht nur der Freiheit beraubt, sondern auch unter starken psychologischen Druck gesetzt. Etliche Male wurde ich auch körperlich angegriffen und von Mitgefangenen mit dem Tode bedroht, vor allem durch Taliban und Häftlinge, die gegen die Regierung sind. Aber die Freiheit ist ein Geschenk Gottes.“
Lage für Christen verschlechtert sich
Afghanistan gehört zu den zehn Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors belegt das streng islamische Land Platz 3. Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit und damit die persönliche Wahl der Religion oder ein Religionswechsel wird muslimischen Afghanen verwehrt. Der Islam ist Staatsreligion. Obwohl in der Verfassung Religionsfreiheit garantiert wird, ist verboten, was „im Widerspruch zu den Überzeugungen und Vorschriften der heiligen Religion des Islam steht". Die islamische Rechtsordnung Scharia sieht für den „Abfall vom Islam" (Apostasie) die Todesstrafe vor. Unter den 27 Millionen Einwohnern leben etwa 10.000 Christen, darunter auch Afghanen muslimischer Herkunft. Sowohl Said Musa als auch Shoib Assadullah sind Beispiele dafür, dass sich die Situation der Religionsfreiheit im Land immer weiter verschlechtert. Mit den Worten des Freundes von Said Musa: „Es ist sehr traurig und entmutigend, dass sich die Lage nach beinahe 10 Jahren Hilfe durch die internationale Gemeinschaft nicht gebessert hat.