25.01.2011
Massenproteste in Ägypten
Präsident Mubarak leugnet Diskriminierung von Kopten
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat Ägyptens Staatspräsident
Hosni Mubarak vorgeworfen, nichts aus dem Terroranschlag gegen Kopten in der
Neujahrsnacht in Alexandria gelernt zu haben. "Mit seinem beharrlichen
Leugnen jeder Diskriminierung der Kopten macht sich Mubarak endgültig
unglaubwürdig und verspielt auch unter den Christen letzte Sympathien",
kritisierte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen.
Innerhalb der vergangenen drei Tage hatte Mubarak gleich zweimal öffentlich
bestritten, dass Angehörige der christlichen Minderheit in Ägypten
diskriminiert werden.
Weniger aus Rücksicht auf die Regierung, denn aus Angst vor den Folgen
landesweiter Unruhen, hatte die Koptische Kirche die Christen in den
vergangenen Tagen dazu aufgerufen, sich nicht an den Massenprotesten gegen
Armut und Unterdrückung am 25. Januar 2011 zu beteiligen. Die Kirche
fürchtet, dass die radikal islamische Muslimbrüderschaft bei einem
Regierungswechsel mehr Einfluss gewinnen und das Los der Christen sich noch
weiter verschlechtern könnte.
Mubarak hatte noch am 24. Januar gegenüber einem Redakteur eines Magazins
der ägyptischen Polizei erklärt, es sei "unfair und unwahr", wenn behauptet
werde, in Ägypten würden die Kopten diskriminiert. Wer solche Vorwürfe
erhebe, "verbreite erfundene Erzählungen". So solle nur die nationale
Einheit von Ägyptern untergraben werden.
"Statt nach dem Anschlag unverzüglich ein Zeichen gegen die Gewalt zu setzen
und die seit Jahrzehnten andauernde Diskriminierung der Kopten zu beenden,
bestreitet Mubarak einfach die Existenz von Benachteiligungen", erklärte
Delius. "Doch Mubaraks Leugnen ist weder schlüssig noch politisch klug, da
die Ungleichbehandlung der christlichen Minderheit zu offensichtlich ist."
So fordern beispielsweise koptische Organisationen seit 15 Jahren, die
Bestimmungen zur empfindlichen Einschränkung von Kirchenneubauten und
-renovierungen aufzuheben. Auch Benachteiligungen bei der Vergabe von
Arbeitsstellen im Öffentlichen Dienst, bei der Berufsausübung sowie
diffamierende Darstellungen in staatlichen Medien und Schulbüchern schüren
seit Jahren Ärger unter der christlichen Minderheit.
Als Parlamentarier der Regierungspartei in der vergangenen Woche erneut die
strikten Bauvorschriften für christliche Kirchen rechtfertigten,
reagierten Kopten verärgert. "Sie können uns doch nicht mit Entschuldigungen
abspeisen, als ob wir geistig zurückgeblieben wären", entrüstete sich der
koptische Bürgerrechtler Mark Ebeid.
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