14.03.2011
Ägypten: Demonstrationen in Kairo münden in Gewalt
Kopten fordern Änderung des Scharia-Artikels
Von Michaela Koller
KAIRO, 10. März 2011 (ZENIT.org).- Elf Tote und mehr als 40 Verletzte in Kairos Stadtteil Mokattam sind das traurige Resultat einer Demonstration von Kopten für den Wiederaufbau der am vorigen Samstag zerstörten Kirche. Während am Dienstag gleichzeitig eine weitere Kundgebung aus demselben Anlass im Stadtzentrum friedlich verlief, kam es andernorts zu Konflikten mit muslimischen Anwohnern, denen der Weg versperrt wurde. Die Auseinandersetzung eskalierte schließlich, als bewaffnete Gewalttäter hinzukamen. Fünf der Opfer sollen Muslime sein, sechs von ihnen Christen. Südlich von Kairo gingen am selben Tag Anhänger beider Religionsgemeinschaften mit Steinen aufeinander los.
Rund einen Monat nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak, der durch Hunderttausende Demonstranten am 11. Februar zum Rücktritt gedrängt worden war, gilt formal noch das generelle Verbot für öffentliche Kundgebungen. Der Ausnahmezustand besteht weiter fort, obschon die militärische Übergangsregierung dessen baldige Aufhebung in Aussicht gestellt hat. Seit Beginn der Revolutionen mit der ersten großen Revolte am 25. Januar ist das Demonstrationsverbot aber faktisch nicht mehr durchsetzbar. Politische Aktivisten demonstrieren wo, wann und wie lange sie wollen oder bis gewaltbereite Gegendemonstranten sie aufhalten.
Den demonstrierenden Kopten geht es nicht nur um den Wiederaufbau der zerstörten Kirche, sondern zentral um die Abschaffung des Scharia-Artikels in der Verfassung. Artikel 2 besagt, dass das islamische Recht Hauptquelle der Gesetzgebung ist. Dieser Rahmen behindert aber eine wirksame Gleichberechtigung der Christen, die mindestens zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die Verfolgung durch Gewalttäter und die gesellschaftliche Diskriminierung führen viele unter ihnen letztlich auf die Bewusstseinsbildung durch den Staat zurück, der sie gegenüber ihren muslimischen Landsleuten benachteiligt.