21.03.2011

China: "Ein Prister kam ins Gefängnisund zwei Katholiken kamen wieder heraus"

China und Indien beim Kongress „Treffpunkt Weltkirche" Von Michaela Koller

China: "Ein Prister kam ins Gefängnisund zwei Katholiken kamen wieder heraus"

China und Indien beim Kongress „Treffpunkt Weltkirche"

Von Michaela Koller

 

WÜRZBURG, 21. März 2011 (ZENIT.org).- Bischof John Tong Hon von Hongkong bestätigte, dass das Christentum in den letzten Jahrzehnten in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, in China, stark gewachsen sei. „Im Jahr 1949 gab es drei Millionen Katholiken, inzwischen ist ihre Zahl inoffiziellen Statistiken zufolge auf zwölf Millionen angewachsen." Seiner Meinung nach spiele in China das Lebenszeugnis von Katholiken eine große Rolle. Viele hätten mit Verfolgung und Schwierigkeiten rechnen müssen. „Weil sie nicht wanken und wirklich an ihrem Glauben festhalten, zieht dies Nichtchristen an, um herauszufinden, was denn dieser Katholizismus ist, weswegen diese Menschen so reagieren."

 

Der Nachfolger von Kardinal Zen schilderte als Beispiel schmunzelnd vor einem gebannt zuhörendem Publikum das bewegende Zeugnis eines Priesters, der während der Kulturrevolution der Wasserfolter ausgesetzt war: Er teilte die Zelle mit einem anderen Gefangenen. Beide waren tagsüber gezwungen, eng mit den Rücken aneinander auf einem Tisch zu sitzen, während ihre gemeinsame Zelle bis zur Tischkante geflutet wurde. Der Priester rettete sich vor der Verzweiflung, indem er sich vorstellte, er säße tagsüber bei Fastenexerzitien.

 

Während er betete und gelassen blieb, zeigte sich sein Zellengenosse verbittert und verfluchte den Himmel und die Regierung. Alsbald fragte dieser den Priester, wie er so ruhig bleiben könne. Der nutzte die Gelegenheit und erzählte ihm von seinem Glauben. Nach und nach überzeugte er seinen Mitgefangenen, der ihn schließlich bat, ihn zu taufen. „Weil es ja ein Wassergefängnis war, war schließlich genügend Wasser dafür da", bemerkte der Bischof unter Applaus. „Ein Katholik war ins Gefängnis geworfen worden, aber nach vierzig Tagen kamen zwei Katholiken heraus", erklärte er.

 

Vor 30 Jahren hätten noch die chinesischen Machthaber die Religionsgemeinschaften als Feinde betrachtet. Die Strategie habe sich den Religionen gegenüber geändert, seit China unter Deng Xiaoping beschlossen hat, der Außenwelt zu begegnen. „Die Politik gegenüber der Religion könnte man heute mit den Worten Kontrolle und Nützlichkeit umschreiben."

 

Die religiöse Überzeugung sei zwar Gewissenssache, aber was die Ausübung der Religion angehe, setze diese die Erlaubnis der Regierung voraus. „Nur wenn die Regierung zustimmt, sind es normale religiöse Aktivitäten. Ansonsten ist es nicht normal oder sogar verboten und man kann dich dafür bestrafen." Einige Katholiken sagten, dass dies doch besser als gar nichts sei. Diese gehören der offiziellen Kirche an. Andere betonten, dass sie mit dieser Politik nicht einverstanden und von Gott als freie Menschen geschaffen seien, der auch die Menschenrechte gewollt habe. Sie setzten ihre Aktivitäten fort und das gelte dann als illegale Kirche. „Es gibt aber nur eine katholische Kirche in China, denn alle haben das dasselbe katholische Bekenntnis. Alle erkennen den Heiligen Vater als das Oberhaupt der katholischen Kirche an", unterstrich der Bischof. Es handele sich um zwei Arme desselben Flusses.

 

„Wenn es eine Kirche in China gibt, deren Oberhaupt im Ausland ist, wird dies als Bedrohung empfunden und die Regierung meint, dass für die Christen in China ein Loyalitätskonflikt entstehe in der Frage, ob sie mehr auf die Regierung oder mehr auf den Papst hören sollten", erläuterte die Chefredakteurin der Zeitschrift „China heute", Katharina Wenzel-Teuber die Motive Pekings für die Gängelung der katholischen Chinesen. Die Vertreterin des China-Zentrums in Sankt Augustin sagte weiter, die Regierung stelle sich daher dagegen, dass die chinesische Ortskirche struktureller Teil der Weltkirche sei. Nur als moralische Autorität dürften die Katholiken dort den Papst anerkennen. „Daraus entstehen Schwierigkeiten für die Kirche", sagte Wenzel-Teuber.

 

In den vergangenen Jahren sei es glücklicherweise oft so gewesen, dass über einzelne Bischofskandidaten ein inoffizieller Konsens zwischen Rom und Peking zustande gekommen sei. Im vorigen November habe es da aber einen Rückschlag gegeben: Acht Bischöfe seien quasi verschleppt worden, um einen Priester ohne päpstliche Erlaubnis zum Bischof zu weihen. „Das ist natürlich ganz schwerwiegendes Problem für die Diözese dieses neugeweihten Bischofs, der keine päpstliche Anerkennung hat", berichtete Wenzel-Teuber. "Dennoch, auch wenn es diese Vorfälle gebe und vieles im Reich der Mitte noch im Aufbau sei: Die Kirche in China ist eine sehr lebendige Kirche."