21.03.2011
Indien: Christen anhaltend gewaltsamen Übergriffen von Hindunationalisten ausgesetzt
China und Indien beim Kongress „Treffpunkt Weltkirche" Von Michaela Koller
Indien: Christen anhaltend gewaltsamen Übergriffen von Hindunationalisten ausgesetzt
China und Indien beim Kongress „Treffpunkt Weltkirche"
Von Michaela Koller
WÜRZBURG, 21. März 2011 (ZENIT.org).- In den indischen Bundesstaaten Orissa, Madhya Pradesh und in Karnataka sind Christen anhaltend gewaltsamen Übergriffen von Hindunationalisten ausgesetzt, die dort sehr stark sind, sagte am Freitagabend Erzbischof Leo Cornelio von Bhopal beim Kongress „Treffpunkt Weltkirche" in Würzburg. „Was sich in Orissa ereignete, war ein Progrom", berichtete er auf die Angriffe 2008 zurückblickend. Von Kandhamal ging im August vor drei Jahren eine Gewaltwelle aus, die mehr als 100 Menschen das Leben kostete und 50.000 weitere zur Flucht zwang.
In fast 300 Dörfern wurden rund 4.000 Häuser und mehr als 60 Kirchen zerstört. Nach dem Mord an einem Hindu-Führer hatte sich die Wut der Massen an der wehrlosen christlichen Minderheit der Region entladen. Inzwischen seien aber die zerstörten Kirchen sowie mehr als 2.000 Häuser neu gebaut worden. In zwei Dörfern dürften Christen aber nicht zurückkehren. Radikale Hindus forderten von ihnen einen Übertritt zum Hinduismus, bevor sie sie in ihre Häuser zurückkommen lassen wollten. Seit der Verfolgungswelle vor mehr als zwei Jahren hätten sich rund 100 einzelne Vorfälle von Gewalt an christlichen Indern in dem Bundesstaat ereignet.
Unter 1,2 Milliarden Menschen gebe es acht Religionen in Indien, darunter anteilig 2,5 Prozent Christen. „Ein Staat mit vielen Kontrasten, in denen lange die Religionen ohne größere Schwierigkeiten zusammenlebten." Im vergangenen Jahrzehnt habe sich die Situation aber verschlechtert. „Viele sagen, das Christentum sei eine fremde, westliche Religion." Mit dem Wirken der seligen Mutter Teresa zugunsten von Leprakranken und Straßenkindern seien die meisten Inder sehr einverstanden gewesen, nur einige wenige Extremisten hätten ihr Proselytismus vorgeworfen.
In seiner Erzdiözese unterstütze die Kirche Stammesangehörige und Menschen der unteren Kasten, führe Krankenhäuser, Schulen und soziale Einrichtungen. Zudem lege die Ortskirche auf die Arbeit mit jungen Menschen wert und benötige daher auch Unterstützung von kirchlichen Hilfswerken. „In Indien ist das Christentum wirklich ein Geschenk für die Menschen", sagte der Erzbischof. Die Hindus in dem Subkontinent glaubten, anders als die Christen, dass jeder für sein eigenes Leben verantwortlich sei.