22.03.2011

Deutschland: „Kirche muss sich notfalls gegen staatliche Übergriffe wehren“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat die Kirche zum eindeutigen politischen Handeln aufgerufen, wo immer christliche Grundwerte bedroht sind.

Notfalls müsse sie sich kämpferisch gegen staatliche Übergriffe wehren, etwa in Fragen der Menschenwürde, sagte er am Montagabend in Emden. Der Präses der rheinischen Kirche war Gastredner bei der achten Emder Tagung zur Geschichte des reformierten Protestantismus.

 Zu den biblischen Grundwerten zählt Schneider zufolge auch der Anspruch des Menschen auf Freiheit und Gleichheit. In diesen Punkten gebe es keine staatliche Verfügbarkeit. In der Alltagspolitik hingegen könne die Kirche den Verantwortlichen nur eine biblisch-ethische Orientierung bieten. Dort liege die letzte Entscheidungsfindung im politischen Diskurs: «Der Christ muss sie, wenn auch vielleicht zähneknirschend, respektieren.»

 Die Unterscheidung zwischen diesen Bereichen sei nicht einfach, räumte Schneider ein. Er warnte davor, die eigene politische Überzeugung theologisch zu begründen. Die protestantische Ethik nehme dem Einzelnen das Wagnis einer Entscheidung nicht ab. Der Mensch müsse seine freie Entscheidung vor Gott und sich selbst rechtfertigen können.

 Die Bibel sei eben kein Navigationsgerät für die Fahrt durchs Leben, das nur richtig programmiert werden müsse, sagte der Theologe. Sie sei eher eine Kompassnadel, die bei der Lösung politischer Probleme eine zeitlose verlässliche Richtung weisen könne. «Die Straßen und Wege dorthin müssen wir selber finden.»

epd