23.03.2011
Indonesien: Religionsfreiheit akut gefährdet
Menschenrechtsorganisation: Übergriffe auf Christen und Ahmadiyya nehmen zu
Indonesien: Religionsfreiheit akut gefährdet
Menschenrechtsorganisation: Übergriffe auf Christen und Ahmadiyya nehmen zu
Göttingen (idea) – Im multireligiösen Indonesien ist die Religionsfreiheit in akuter Gefahr, warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen. Angriffen muslimischer Extremisten sind vor allem Christen und Mitglieder der muslimischen Reformbewegung Ahmadiyya ausgesetzt. Sie wird von der Mehrheit der sunnitischen Muslime als ketzerische Sekte angesehen. Von den 240 Millionen Einwohnern des südostasiatischen Landes sind 80 Prozent Muslime; die Ahmadiyya-Bewegung hat rund 400.000 Anhänger. 16 Prozent der Bevölkerung sind Christen, zwei Prozent Hindus sowie jeweils ein Prozent Buddhisten und Angehörige von Stammesreligionen. Im vorigen Jahr habe sich die Zahl der Übergriffe auf Christen vervierfacht, teilte GfbV-Asienreferent Ulrich Delius am 23. März in Göttingen mit. Es seien 75 christenfeindliche Aktionen registriert worden; 43 davon waren Anschläge auf Kirchen oder Schließungen von Gotteshäusern. Der Trend setze sich fort: Im Februar seien auf der Insel Java drei Kirchen niedergebrannt worden, nachdem ein Christ wegen angeblicher Blasphemie zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Demonstranten hatten seinen Tod gefordert.
Ahmadiyya-Muslime besonders stark verfolgt
Noch dramatischer sei die Lage der Ahmadiyya-Muslime. Ihnen sei die Glaubensausübung untersagt, ihre Moscheen würden geschlossen, Gläubige bedroht, vertrieben oder zum Übertritt zum sunnitischen Islam gezwungen. Staatliche Sicherheitskräfte verweigerten ihnen jeden Schutz, so Delius. Seit 2007 wurden der GfbV zufolge in Indonesien mehr als 360 Übergriffe auf Ahmadiyya gezählt. Am 13. März wurden in West-Java hunderte ihrer Bücher öffentlich verbrannt. In den folgenden drei Tagen wurden mindestens 31 Angehörige der Minderheit unter massivem Druck von Polizei und Militär gezwungen, sich öffentlich von ihrem Glauben abzuwenden.