01.04.2025

Niederlande: Zahl der Euthanasie-Toten erreicht neues Rekordniveau

Auch der frühere Ministerpräsident Dries van Agt gehört dazu

Utrecht (IDEA) – Die Zahl der Euthanasie-Toten in den Niederlanden ist weiter gestiegen und hat 2024 ein neues Rekordniveau erreicht. Das geht aus dem Jahresbericht der Regionalen Euthanasie-Kontrollkommissionen hervor (RTE/Utrecht). Sie prüfen, ob ein Antrag auf aktive Sterbehilfe genehmigt oder abgelehnt wird. Dem Bericht zufolge haben sich 9.958 Menschen auf eigenen Wunsch hin von Ärzten töten lassen. Das ist ein Anstieg von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr (9.068). Die Zahl entspricht 5,8 Prozent aller Todesfälle in den Niederlanden im vergangenen Jahr (2023: 5,4 Prozent). Die größte Gruppe der Sterbewilligen war zwischen 70 und 80 Jahre alt (33 Prozent), gefolgt von den Altersgruppen 80 bis 90 Jahre (29,9 Prozent) und 60 bis 70 Jahre (17,4 Prozent).

Anteil an Demenz- und psychisch Erkrankten nimmt zu

Der überwiegende Teil war unheilbar an Krebs erkrankt (53,7 Prozent), gefolgt von Patienten mit einer Kombination mehrerer schwerer Erkrankungen (18 Prozent) und solchen mit Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson (6,8 Prozent). Der Anteil der Demenzpatienten lag bei 4,3 Prozent. Er ist über die letzten Jahre immer weiter angestiegen (2023: 3,7 Prozent; 2022: 3,3 Prozent; 2021: 2,8 Prozent; 2020: 2,5 Prozent). Die Zahl der psychisch erkrankten Antragsteller hat hingegen insbesondere im Jahr 2024 stark zugenommen, als 219 derartige Fälle (2,2 Prozent aller Euthanasie-Toten) und damit 58,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor (2023: 138) registriert wurden.

Ehemaliger Ministerpräsident unter den Euthanasie-Toten

Auch die Zahl der Menschen, die sich gleichzeitig mit ihrem Ehepartner töten lassen, ist massiv angestiegen. Für das Jahr 2024 wurden bereits 54 Paare erfasst. Im Jahr 2023 waren es noch 33; die Zahl ist also um fast zwei Drittel (64 Prozent) gestiegen. Erstmals handelte es sich dabei nicht nur um Ehepaare, sondern auch um Menschen, die gemeinsam mit einem anderen Familienmitglied aus dem Leben schieden. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei der Tod des ehemaligen niederländischen Ministerpräsidenten Dries van Agt (Christdemokratischer Appell/CDA), der im Februar 2024 gemeinsam mit seiner Ehefrau Eugenie im Alter von 93 Jahren aus dem Leben schied.

Seit 2002 über 100.000 Euthanasie-Tote

Die Sterbehilfe wurde im Jahr 2002 für Patienten eingeführt, bei denen ein auswegloses Leiden festgestellt wurde. Seither haben auf diesem Weg rund 110.000 Menschen in den Niederlanden den Tod gefunden. In Deutschland war die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe im Jahr 2015 verboten worden. Das Bundesverfassungsgericht hob das Verbot im Februar 2020 jedoch wieder auf. Es gebe ein umfassendes Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Damit sei die Freiheit eingeschlossen, die Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen. Der Bundestag debattierte am 6. Juli 2023 über eine Neuregelung des Gesetzes zur Regelung der assistierten Selbsttötung. Die Abgeordneten konnten sich aber nicht einigen.