02.04.2025
Jemen: Hilfswerke warnen vor humanitärer Katastrophe
Seit zehn Jahren tobt dort ein Krieg
Bonn/Berlin/Konstanz (IDEA) – Vor zehn Jahren begann im Jemen ein Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung. Hilfswerke beklagen aus diesem Anlass die katastrophalen Zustände im ärmsten Land auf der arabischen Halbinsel. So berichtete der Nationale Direktor der UNO-Flüchtlingshilfe, Peter Ruhenstroth-Bauer (Bonn), dass der Jemen aufgrund der zahlreichen Kriege weltweit aus den Schlagzeilen geraten sei. Die Folgen seien fehlende Hilfsgelder und eine weitere Verschärfung der humanitären Notlage. Der Konflikt im Jemen schwelt bereits seit den 1990er Jahren. 2014 spitzte er sich zu, als die von Iran unterstützen Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa einnahmen und die Regierung zum Abzug zwangen. Am 26. März 2015 startete eine von Saudi-Arabien geführte Allianz arabischer Staaten mit den jemenitischen Regierungstruppen Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Laut UNO-Flüchtlingshilfe hat die Katastrophe im Jemen erschütternde Ausmaße erreicht: 21,6 Millionen Menschen – das sind zwei Drittel der Gesamtbevölkerung – benötigen humanitäre Hilfe. 4,8 Millionen Menschen lebten als Binnenvertriebene. Über 17 Millionen hätten nicht genug zu essen.
Tearfund: Viele Menschen haben die Hoffnung verloren
Auch der Vorstand der Hilfsorganisation Tearfund Deutschland, Uwe Heimowski (Berlin), bestätigte der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA die katastrophale Lage im Land: „Viele Menschen haben die Hoffnung verloren, dass sich die Situation jemals bessert.“ Das wolle man mit den aktuellen Projekten ändern. Durch lokale Partner wolle man die Bevölkerung darin bestärken, gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. „Wir arbeiten eng mit lokalen Behörden zusammen, die manchmal willkürliche Regeln aufstellen und so unsere Arbeit erschweren.“, beklagte Heimowski.
Hilfswerk Hoffnungszeichen: Die Lage ist gewissermaßen eingefroren
Ähnlich formulierte es der Vorstand des Hilfswerks Hoffnungszeichen, Klaus Stieglitz (Konstanz): Eine Verbesserung der Situation sei nicht absehbar. Stieglitz beschrieb die Lage gegenüber IDEA als „gewissermaßen eingefroren“: „Im westlichen Jemen, in dem Hoffnungszeichen tätig ist, scheint sich die humanitäre Not verfestigt zu haben.“ Mit finanzieller Unterstützung und humanitärer Diplomatie könne Deutschland Hoffnung wecken und einen Beitrag leisten, den Menschen im Jemen eine Perspektive für Frieden und Stabilität zu geben. Über 99 Prozent der rund 40 Millionen Einwohner des Jemen sind Muslime. Die Zahl der Christen und Angehörigen anderer Minderheiten beläuft sich auf wenige Tausend. Das Land belegt im Weltverfolgungsindex des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors Platz drei. Christen sollen Experten zufolge aufgrund ihres Glaubens doppelt so stark von der humanitären Not vor Ort betroffen sein.