01.08.2025

Gazastreifen: Evakuierung von Patienten aus Gaza

„Nur Leute aus dem Umfeld der Hamas bekommen Hilfsgüter“

Von Israelnetz/ 31. Juli 2025  Palästinenser aus dem Gazastreifen warten an der Grenze zu Israel auf die Evakuierung aus medizinischen Gründen. Auf die Hamas sind sie nicht gut zu sprechen.

KEREM SCHALOM (inn) – Seit Beginn des Krieges sind mehr als 3.700 Bewohner aus dem Gazastreifen evakuiert worden. Die meisten von ihnen waren Patienten oder deren Begleitpersonen. Die Behörde für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT) stimmt sich dabei mit der Europäischen Union und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab. Am Mittwoch gab es erneut eine solche Aktion, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.

Weil Ägypten den Rafah-Übergang geschlossen hat, laufen die Evakuierungen über Kerem Schalom ab. Die Palästinenser gelangen nach Israel und reisen entweder über den südisraelischen Ramon-Flughafen oder über den Allenby-Übergang an der Grenze zu Jordanien aus.

„Gerede der Führung ist Blödsinn“

Die Journalistin Einav Halabi sprach am Übergang Kerem Schalom mit mehreren Palästinensern. Dabei bekam sie Kritik an der Terrorgruppe Hamas zu hören.

Ein Familienvater namens Mahna sagte etwa, die Hilfsgüter würden nicht gleichmäßig verteilt: „Nur, wer zum Umfeld der Hamas gehört oder als Teil des Apparates gilt, erhält die Hilfe. Einfache Leute wie wir erhalten nichts.“ Er benötige am Tag allein umgerechnet rund 13 Euro für Brot. Eine Pita koste bei der Hamas 3 Euro. „Die Lage ist unerträglich. Wir können nicht standhalten, und alles Gerede der Führung ist nur Blödsinn.“ Die Ausreise aus Gaza bringe Hoffnung auf ein neues Leben.

Normalerweise wird ein Patient mit ein oder zwei Helfern evakuiert. Doch Mahna darf mit seiner Frau und den drei Kindern nach Frankreich ausreisen. Ein Sohn leidet an Krebs.

Der Vater sollte am 8. Oktober 2023 eigentlich eine Arbeitsstelle in Israel antreten. Er hatte lange auf die Genehmigung gewartet. „Ich war aufgeregt und voller Hoffnung, aber nach dem 7. Oktober änderte sich alles.“ Infolge des Terrormassakers der Hamas erklärte Israel die Arbeitsgenehmigungen für ungültig. Mahna und seine Familie hoffen, dass sie nach der Krebsbehandlung als Flüchtlinge in Frankreich bleiben dürfen.

Plünderer und Diebe

Seit März hat Israel den Prozess erleichtert. In der Folge stieg die Quote der Antragsteller. Die Mehrheit der Anfragen wird bewilligt. Jede Woche gibt es mindestens eine Evakuierungsaktion, schreibt „Yediot Aharonot“.

Omar Hajari aus Chan Junis möchte seinen zweijährigen Sohn zur Behandlung nach Frankreich bringen. Dieser wurde von Trümmern am Bein getroffen und schwer an der Hauptvene verwundet. Der Vater hofft, seine Familie nachholen zu können. Seine Frau ist im achten Monat schwanger, außerdem haben sie einen Sohn und eine Tochter.

Vor dem 7. Oktober führte der Palästinenser einen Süßwarenladen. Nun lebt er in einem Zelt. „Ich bekomme keine Unterstützung. Nur die Plünderer und die Diebe nehmen alles.“ Er kritisierte, dass die Hamas-Führung teilweise im Ausland lebe und die Lage in Gaza nicht mitbekomme.

Auch Walid Albas ist unzufrieden mit der Hamas: „Die Führung sitzt mit vollem Bauch da, und wir leiden still.“ Damit erhebt er denselben Vorwurf gegen die Terrorgruppe wie COGAT. Zwei seiner Kinder wurden bei einem Luftangriff verletzt. „Ich hoffe, dass wir es schaffen, sie so zu versorgen, wie es nötig ist, und nach Hause zurückkehren. Hier am Übergang Kerem Schalom hat man uns gut behandelt – man gab uns Essen, Wasser und medizinische Versorgung.“

Zu den Aufnahmeländern zählen Ägpyten, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch Kanada und die USA nehmen Patienten auf. In Europa sind es unter anderen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen und Spanien. Nach Angaben der COGAT könnten mehr Palästinenser evakuiert werden, wenn die Bereitschaft von Drittländern, sie zu versorgen, größer wäre. (eh)

     

    Die ausreisenden Palästinenser bestreiten nicht das Vorhandensein der Hilfsgüter. Sie kritisieren eine ungerechte Verteilung.