11.08.2025

Deutschland: Gemeinde- und Privaträume wurden verwüstet

Nach Polizeieinsatz in Duisburg: die Nase des Leiters gebrochen, Ermittlungen dauern an

Duisburg (IDEA) – Verwüstete Gemeinde- und Privaträume, aufgebrochene Türen und eine gebrochene Nase: Am 30. Juli kam es zu einem Polizeieinsatz in Duisburg bei einem Gemeindeleiter und seiner Gemeinde. Gefunden wurden laut Angaben der Polizei zwei Luftgewehre, eine Schreckschusswaffe, ein Taser sowie eine Schlagkette (Nunchaku). Auch zahlreiche Unterlagen, Ordner und technische Geräte wurden mitgenommen. Wie die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Duisburg, Gina Seemann, am 11. August auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mitteilte, wurde „eine Vielzahl“ der Gegenstände am 8. August mittlerweile wieder herausgegeben. Die Ermittlungen zu den sichergestellten Waffen sowie zu dem Einsatz dauerten weiter an, so Seemann. Wann sie abgeschlossen seien, könne derzeit nicht prognostiziert werden. Der Polizei zufolge hat es einen Durchsuchungsbefehl wegen des Verdachts auf illegalen Waffenbesitz gegeben. Zudem werde wegen Titelmissbrauchs ermittelt. Der betroffene Leiter der russlanddeutschen Gemeinde, Pastor Alexander Epp (64), hat den Zugriff auf der Internetseite des pfingstkirchlich-charismatischen Wera Forums geschildert: Die Polizei habe die Tür seines Hauses aufgesprengt, ein maskierter Mann habe ihm ins Gesicht geschlagen, ihm seien die Hände mit Kabelbindern hinter seinem Rücken gefesselt worden. Aufgrund des Schlags ins Gesicht habe er stark geblutet, die Nase sei ihm gebrochen worden. Anschließend seien SEK-Beamte auch in den Gemeinderäumen gewesen, hätten Türen eingetreten und verschlossene Schränke aufgebrochen. Die Bilder auf der Webseite des Wera Forums zeigen unter anderem verwüstete Räume, das blutverschmierte Gesicht von Alexander Epp sowie Blut und Kabelbinder auf dem Boden. Zu den Bildern und den Aussagen äußerte sich die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf den laufenden Einsatz gegenüber IDEA nicht. Auch Epp wollte sich ebenfalls mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen über seinen Beitrag hinausgehend auf IDEA-Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich nicht äußern. Der Gemeinde sind nach eigenen Angaben mehrere Zehntausend Euro Schaden entstanden.

In Kasachstan geboren, seit 1989 in Deutschland

Alexander Epp wurde in Kasachstan geboren, lebt seit 1989 in Deutschland und hat das Wera Forum 1995 gegründet. Zuerst hat der fünffache Familienvater parallel zur ehrenamtlichen Leitung als Lkw-Fahrer gearbeitet. Als die Gemeinde wuchs, übernahm er 2009 die Leitung des Wera Forum hauptamtlich. Aktuell hat das Wera Forum rund 560 Mitglieder, die Zahl der Besucher liegt nach eigenen Angaben höher. Die Gemeinde wird getragen von dem Verein „Evangeliumskirche Glaubensgeneration“, dessen Vorsitzender Alexander Epp ist. Sie hat zudem Tochtergemeinden in Heilbronn, Wuppertal, Castrop-Rauxel, Wertheim, Buchen und Rendsburg. „Wera“ ist das russische Wort für Glaube. Die Gemeinde war in der Vergangenheit immer wieder Thema in den Medien. 2019 hatte der Landespfarrer für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Andrew Schäfer (Düsseldorf), die evangelische Freikirche als Sekte bezeichnet. Die Gemeindeleitung um Pastor Alexander Epp verübe an Mitgliedern der Gemeinde geistlichen Missbrauch, erklärte Schäfer damals IDEA. Epp wies die Anschuldigungen zurück.