28.07.2025
Kongo: Hinter dem Blutbad soll die Terrormiliz ADF stecken
Kongo: Dutzende Tote nach Angriff auf eine Kirche
Komanda (IDEA) – In der nordöstlichen Provinz Ituri der Demokratischen Republik Kongo haben Islamisten in der Nacht zum 27. Juli eine Kirche in der Stadt Komanda angegriffen und ein Blutbad angerichtet. Nach Angaben der dortigen UN-Friedensmission Monusco starben dabei mindestens 43 Menschen, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder. Medienberichten zufolge sollen Anhänger der Islamistenmiliz „Alliierte Demokratische Kräfte“ (ADF) hinter dem Angriff stecken. Sie sollen etwa 20 Menschen bei einer Gebetswache in einer katholischen Kirche niedergestochen haben. Zudem sollen sie unweit des Gotteshauses Lastwagen, Häuser und Geschäfte in Brand gesteckt sowie mindestens 23 weitere Menschen getötet haben. Laut dem lokalen Priester sei es auch zu Entführungen gekommen. Die Leiterin der UN-Mission, Vivian van de Perre, verurteilte die Attacke. Gezielte Angriffe gegen wehrlose Zivilisten seien eine Verletzung „aller Menschenrechtsstandards“ und des Völkerrechts.
Katholische Hilfswerke zeigen sich entsetzt
Das katholische Hilfswerk missio Aachen zeigte sich erschüttert über den Übergriff und forderte einen effektiven Schutz christlicher Gemeinschaften. Ihr Pressesprecher, Johannes Seibel, äußerte: „Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen, der Gläubigen und der christlichen Kirchen in diesem geschundenen Land. Auch in Deutschland bitten wir um Gebete für die Hinterbliebenen, um Frieden und Versöhnung.“ Wie er weiter erklärte, folgte der Anschlag kurz nach dem durch die USA und Katar vermittelten Friedensabkommen zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo Ende Juni. „Wir hoffen, dass dieser Anschlag die Friedensbemühungen nicht untergräbt und keine neuen, größeren Kämpfe entfacht“, betonte Seibel. „Seit Jahren versuchen islamistische Kräfte, den Kampf um Rohstoffe und ethnische Konflikte im Osten des Kongos auch religiös zu schüren. Diese Strategie darf nicht aufgehen“, so Seibel. Ähnlich entsetzt zeigte sich das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ Deutschland. Ihr Geschäftsführer Florian Ripka (München) erklärte: „Der jüngste Anschlag im Kongo war gezielt gegen Christen und den christlichen Glauben gerichtet. Die Täter verfolgen eine gezielte christenfeindliche Agenda.“ Er machte deutlich: Politische, ethnische oder wirtschaftliche Konflikte stünden oft im Vordergrund, wenn das Menschenrecht auf Religionsfreiheit mit Füßen getreten wird. Aber es gebe auch die andere Komponente, so Ripka: „Den Hass der Täter auf eine bestimmte Religion, in diesem Falle das Christentum. Das darf nicht ignoriert werden.“
Nicht der erste Übergriff auf Christen
Erst im Februar waren die Leichen von über 70 Menschen in einer protestantischen Kirche in der ostkongolesischen Provinz Nord-Kivu gefunden worden. Laut „Kirche in Not“ ermordete die ADF seit 2017 im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo über 5.500 Christen. Der Ostkongo gilt als eine der gefährlichsten Regionen der Welt, in der rund 130 unterschiedliche bewaffnete Gruppen aktiv sein sollen. Seit Jahrzehnten kommt es dort zu blutigen Kämpfen, unter anderem geht es um die Vorherrschaft in der rohstoffreichen Region. Die Demokratische Republik Kongo hat rund 110 Millionen Einwohner. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Die übrigen Einwohner gehören ethno-religiösen Gruppen an oder sind Muslime.