11.06.2025

Israel: Solidaritätsaktionen zu 613 Tagen Geiselhaft

Aufruf zu Fasten, Gebet und guten Taten

Zwei Initiativen wollen sich mit Aktionen für die im Gazastreifen verbliebenen Geiseln einsetzen. Am 613. Tag in Geiselhaft rufen sie zum Gebet, zum Fasten und zu guten Taten auf.

(Von Israelnetz/ 11. Juni 2025)  JERUSALEM (inn) – Die Gefangenschaft der Geiseln der Hamas währt bereits mehr als 613 Tage. Der 10. Juni ist als 613. Tag der Geiselhaft von symbolischer Bedeutung, weil es 613 Gebote in der Tora gibt. An diesem Tag regte das Staatsoberhaupt eine Gebetsinitiative an, während eine Geiselfamilie zu guten Taten aufrief.

Staatspräsident Jizchak Herzog schlug dem sephardischen Oberrabbiner und Vorsitzenden des Großen Rabbinatsgerichtes David Josef am Dienstag vor, einen Tag des Fastens und Gebets auszurufen. Herzog verwies dabei auf die laufenden, intensiven Verhandlungen der vergangenen Tage, die er zudem als „turbulent“ und „herausfordernd“ charakterisierte.

Es müsse mit „Kreativität, Verantwortung und Hingabe jede Möglichkeit und jedes Werkzeug“ genutzt werden, um die Geiseln schnellstmöglich nach Hause zu bringen. Er erläuterte dies während seiner Teilnahme an der Amtseinführung von neuen Rabbinatsrichtern am Amtssitz des israelischen Staatpräsidenten. Die Richter wurden an regionale Rabbinatsgerichte sowie an das Große Rabbinatsgericht berufen.

Aufruf zum Tag des Fastens und Gebets

Herzog erklärte seinen Vorschlag: „Ich bitte Sie eindringlich, mit aller Kraft zu handeln, indem Sie einen landesweiten Tag des Fastens und Betens für unsere Schwestern und Brüder ausrufen, die von Mördern gefangen gehalten werden.“ Er ergänzte laut der Onlinezeitung „Times of Israel“: „Möge es Gottes Wille sein, dass dadurch die nötigen diplomatischen Schritte möglich werden und unsere Brüder und Schwestern bald Hilfe in der Not erleben, und sie von der Dunkelheit ins Licht und aus der Gefangenschaft in die Erlösung gehen.“

Aus der Sicht des Präsidenten erfüllen die rabbinischen Richter neben ihrer eigentlichen Aufgabe als Tora-Gelehrte und Richter in Religionsangelegenheiten eine wichtige gesellschaftliche Rolle als Menschen, „die unter ihrem Volk leben und Anteil am Schmerz und der Freude der Öffentlichkeit nehmen“. Hinsichtlich des Schicksals der Geiseln könnten die Rabbiner somit die „Herzen der Nation und Entscheidungsträger erwecken“.

Der Oberrabbiner der Sepharden, Josef, akzeptierte die Initiative eines landesweiten Gebetstages, ohne ihr aber gleichzeitig auch als Fastentag zuzustimmen: „Wir nehmen die Bitte des Präsidenten an. In den kommenden Tagen werden wir einen Tag des Gebets und des Flehens für all unsere Brüder und Schwestern in Not und Gefangenschaft, und für unsere Soldaten auf dem Schlachtfeld, ausrufen. Mit Gottes Hilfe können wir gute Nachrichten erhalten.“ Das sephardische Oberrabbinat werde in den kommenden Tagen einen entsprechenden Aufruf veröffentlichen.

Geiselfamilie begeht „Mizva-Tag“

Indes luden Jon Polin und Rachel Goldberg-Polin in einem Post auf Instagram zu einem „Mizva-Tag“ am Dienstag ein. Sie sind die Eltern des 23-jährigen Hersh, der im August 2024 in der Hamas-Geiselhaft hingerichtet wurde. Ein solcher „Tag der guten Werke“ soll zur Freilassung der Geiseln beitragen. Dazu sagte das Ehepaar: „Nehmt teil, wenn wir am 613. Tag die Welt mit Güte und Licht fluten, zu Gunsten der Heimkunft der hochgeschätzten Geiseln. Jetzt-iger als JETZT. Helft mit, die Welt mit positiven Aktionen zu heilen.

Zurzeit befinden sich noch 55 Menschen in Geiselhaft der Hamas. Davon sind mindestens 32 bereits tot. Zu ihnen zählt eine Geisel, Hadar Goldin, die bereits seit 2014 in den Händen der Terroristen ist.

Am 7. Oktober 2023 hatten palästinensische Terroristen und Zivilisten den Süden Israels überfallen, etwa 1.200 Menschen ermordet und 251 Personen entführt. Bei 20 Geiseln rechnet Israel noch damit, dass sie leben. Das Schicksal von drei Geiseln ist noch ungeklärt. (ndr)