23.06.2025

Syrien: Kirchenleiter und Menschenrechtler verurteilen Anschlag

Ein IS-Kämpfer sprengte sich in einem Gottesdienst in die Luft

Damaskus (IDEA) – Kirchenleiter, Politiker und Menschenrechtler haben den Anschlag auf eine Kirche in der syrischen Hauptstadt Damaskus scharf verurteilt. Am 22. Juni hatte ein Selbstmordattentäter während eines Gottesdienstes in der griechisch-orthodoxen Sankt-Elias-Kirche zuerst um sich geschossen und sich anschließend in die Luft gesprengt. Regierungsangaben zufolge starben dabei mindestens 22 Menschen. Andere Quellen sprechen gar von 29 Toten. Über 50 weitere Personen wurden verletzt. Laut dem syrischen Innenministerium soll der Täter der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) angehört haben. Informationsminister Hamsa Mostafa verurteilte den Angriff. Auf der Kurznachrichtenplattform „X“ (ehemals Twitter) äußerte er: „Dieser feige Akt richtet sich gegen die bürgerlichen Werte, die uns zusammenführen.“ Er beteuerte, dass die Regierung nicht von ihrem „Engagement für eine gleichberechtigte Bürgerschaft“ abrücken werde. Man werde alles unternehmen, um kriminelle Organisationen zu bekämpfen und die Gesellschaft vor allen Angriffen zu schützen, die ihre Sicherheit bedrohen. Auch der israelische Außenminister Gideon Saar reagierte auf „X“ entsetzt, wo er ebenfalls von einem feigen Terroranschlag auf unschuldige Kirchgänger sprach. Er kondolierte den Familien der Opfer und der christlichen Gemeinschaft in Syrien. Ein Pressesprecher der EU-Kommission in Brüssel äußerte, es sei „nötig, die Bemühungen gegen die Terrorbedrohung zu verstärken“ und sicherzustellen, dass der Islamische Staat und andere Terrororganisationen dauerhaft besiegt würden. Man unterstütze die dortige Übergangsregierung, es dürfe dabei aber keine Diskriminierung auf Grundlage ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit geben, so der Sprecher. Das türkische Außenministerium sprach von einem „abscheulichen Anschlag“. Er ziele darauf ab, „die Bemühungen um Stabilität und Sicherheit in Syrien zu untergraben und den sozialen Frieden und die Harmonie zu stören“. Die Türkei werde Syrien „zur Seite stehen und alle notwendige Unterstützung leisten“. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) forderte, dass so etwas nicht wieder geschehen dürfe. In Syrien müsse jetzt eine Politik der Versöhnung einziehen. Nur dann werde man in der Lage sein, dieses Land zu stabilisieren und weiter zu unterstützen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschaungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU), nannte das Verbrechen einen Angriff auf die Würde des Menschen und die Freiheit des Glaubens. Die Verantwortlichen in Syrien stünden in der dringenden Verantwortung, den Schutz von Christen und anderen religiösen Minderheiten „mit aller Entschlossenheit zu gewährleisten“.

CSI: Schlimmste Erwartungen wahr geworden

Der Geschäftsführer des christlichen Hilfswerks Christian Solidarity International (CSI) in Deutschland, Pfarrer Peter Fuchs (München), beklagte, dass die schlimmsten Erwartungen der Christen Syriens wahr geworden seien. Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA erklärte er, dass bereits nach den Massakern an der alawitischen Minderheit und den Angriffen auf Drusen in Damaskus und im Süden viele Christen fürchteten, die nächsten Opfer der Syrien beherrschenden Islamisten zu werden. Fuchs zitiert dabei eine lokale Christin direkt nach dem Selbstmordattentat. Sie beklagte den fehlenden Schutz der Christen: „Die Anhänger des IS bewegen sich jetzt ungehindert in ganz Syrien. Sie geben den Ton an und drangsalieren uns und unsere Kinder. Sie sind die neuen Herren und wollen ein Syrien ohne Christen, ohne Alawiten, ohne Drusen. Wir sind schutzlos.“ Es gebe keine andere Lösung mehr als die Auswanderung. „Europa muss uns helfen, alle herauszuholen, sonst werden noch mehr Menschen sterben“, zitiert Fuchs die Frau weiter. Ihm zufolge hat das Attentat die christliche Gemeinschaft Syriens ins Mark getroffen. Der Hass auf die Christen nehme weiter zu: „Syrische Christen berichten, dass sunnitische Extremisten in Sozialen Medien weitere Anschläge für den 29. Juni auf konkret bezeichnete Kirchen in der Region Hama ankündigen“, so Fuchs. Er fordert die Europäische Union und die USA dazu auf, die Sicherheit der Christen und aller Minderheiten Syriens zu gewährleisten und die Hintergründe des Attentates zu untersuchen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) forderte, dass so etwas nicht wieder geschehen dürfe. In Syrien müsse jetzt eine Politik der Versöhnung einziehen. Nur dann werde man in der Lage sein, dieses Land zu stabilisieren und weiter zu unterstützen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschaungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU), nannte das Verbrechen einen Angriff auf die Würde des Menschen und die Freiheit des Glaubens. Die Verantwortlichen in Syrien stünden in der dringenden Verantwortung, den Schutz von Christen und anderen religiösen Minderheiten „mit aller Entschlossenheit zu gewährleisten“.

 

Auch Christen in anderen Landesteilen bedroht

Ähnlich äußerte sich die Menschenrechtsorganisation „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (Göttingen). Sie warnt vor einer drohenden Gewalteskalation gegen Minderheiten in Syrien. Ihr Nahostreferent Kamal Sido kritisierte: „Die neuen syrischen Machthaber sind nicht gewillt, Minderheiten vor Angriffen zu schützen.“ Bereits Ende April habe der Chef der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), der kurdische General Mazlum Abdi, gegenüber Sido vor der Präsenz von IS-Kämpfern in den von der Regierung kontrollierten Regionen gewarnt. Angehörige religiöser Minderheiten in diesen Gebieten hätten das bestätigt. Neben dem Anschlag am 22. Juni habe es weitere Drohungen gegen Christen in anderen Teilen Syriens gegeben. In der Provinz Hama wurde an mehreren Kirchen die Botschaft „Ihr kommt dran“ hinterlassen. Dabei unterschieden sich die neuen sunnitischen Machthaber und die syrischen Milizen kaum vom IS. Aus diesem Grunde gebe es auch seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs kein Interesse, den IS zu bekämpfen, erklärte der Nahostexperte. Die neuen Machthaber glaubten nicht an eine multiethnische, multireligiöse Gesellschaft in Syrien. Daher werde auch eine Beschwichtigungspolitik gegenüber den sunnitischen Islamisten in Syrien das Land nicht stabilisieren, sondern die Machthaber vielmehr ermutigen, ihre bisherige Politik fortzusetzen. Sido warnte vor einem Massenexodus der syrischen Christen.

Kritik am Schweigen der Kirchen

Indes verurteilte der Journalist Alexander Kissler am Abend des 22. Juni das Schweigen der deutschen Kirchen. Auf „X“ schrieb er dazu: „Das Christentum bleibt die am meisten verfolgte Religion. Schade, dass sich die Kirchen in Deutschland lieber um das Weltklima kümmern.“ Er habe für jeden Verständnis, der keine Kirchensteuer mehr zahlt an Körperschaften, denen die Christenheit egal sei. Während es mittlerweile Reaktionen der katholischen Kirche gibt, fehlen bislang Stimmen der evangelischen Kirche.

Bischof Bätzing: Verabscheuungswürdigstes Verbrechen überhaupt

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing (Limburg), verurteilte den Anschlag mit scharfen Worten: „Der Mord an betenden und so Gott ehrenden Menschen gehört zu den verabscheuungswürdigsten Verbrechen überhaupt.“ Der mittlerweile kleinen christlichen Minderheit sei nach der Machtübernahme durch die Milizen unter Ahmed al-Scharaa zugesagt worden, frei und gleichberechtigt an der Entwicklung des Landes teilhaben zu können. „Die Morde des heutigen Tages senden hingegen die Botschaft aus, dass die Christen Syriens an Leib und Leben gefährdet sind.“ Es sei zu befürchten, „dass viele dies als Aufruf verstehen, dem Heimatland den Rücken zu kehren“. so Bätzing. Er rief die syrischen Machthaber dazu auf, den Christen und anderen Minderheiten den Rücken zu stärken und „allen, die die Bevölkerung mit Gewalt homogenisieren wollen, entschieden entgegenzutreten“.

Orthodoxe Bischofskonferenz: Angriff auf Freiheit des Glaubens

Der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Metropolit Augoustinos (Dortmund), bezeichnete den Anschlag als barbarischen Akt des Terrorismus. „Er ist ein Angriff nicht nur auf Menschenleben, sondern auf die Freiheit des Glaubens, auf die Würde des Menschen, auf die Gegenwart Gottes im Gebet seines Volkes.“ Augoustinos kondolierte den Opfern und rief zum Gebet, zur Besinnung und zu solidarischem Handeln auf. Er forderte die Verantwortlichen in Syrien auf, den Schutz von Kirchen und christlichen Minderheiten ernst zu nehmen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um Sicherheit und Religionsfreiheit zu gewährleisten. Er betonte: „Die christliche Präsenz im Nahen Osten ist nicht nur Teil der Geschichte, sondern ein lebendiger Schatz, den es zu bewahren gilt.“