25.06.2025
Deutschland: Farbanschlag auf Pfarrhaus in Waiblingen
Wegen Israel-Fahne: Pfarrer Bernhard Elser: Ich sorge mich wegen des gesellschaftlichen Klimas
Waiblingen (IDEA) – Das evangelische Pfarrhaus im Waiblinger Ortsteil Hegnach ist wegen einer Israel-Fahne Ziel eines Farbanschlags geworden. Wie Pfarrer Bernhard Elser der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte, hing die Fahne erst einen Tag aus einem Fenster im ersten Stock, als er den Schaden entdeckt habe. Die bisher unbekannten Täter hätten einen Luftballon mit Ketchup gefüllt und ihn dann gegen die Fahne geworfen. Zudem hätten sie die Eingangstür des Pfarrhauses in gleicher Weise beschmutzt. Elser, der angesichts des Krieges im Nahen Osten seine Solidarität mit Israel bekunden wollte, sorgt sich um das gesellschaftliche Klima: „Wenn man selbst in einem beschaulichen Ort wie Hegnach nicht mal mehr eine Israel-Fahne aus dem Fenster hängen kann, ohne dass man angegriffen wird, ist das mehr als bedenklich.“ Der Theologe war in der Vergangenheit bereits für seine theologisch konservativen Überzeugungen und der Ablehnung der Corona-Maßnahmen in die Kritik geraten. „Früher bin ich angegriffen worden, weil ich mich für die Ungeimpften eingesetzt habe, heute geht es um meinen Einsatz für Israel und das jüdische Volk.“
Israel-Fahnen als Sicherheitsrisiko?
Elser wies darauf hin, dass an vielen staatlichen Gebäuden und Kirchen Regenbogenflaggen hängen können. Doch sich zu Israel zu bekennen stelle offenbar ein Sicherheitsrisiko dar. Besonders schockiert habe ihn in diesem Zusammenhang ein Anruf eines Vaters, dessen Kind den evangelischen Kindergarten neben dem Pfarrhaus besucht. Er habe den Geistlichen dringend gebeten, die Fahne abzuhängen, weil er sich um die Sicherheit der Kinder sorge. Der zunehmende Antisemitismus in Deutschland erinnere ihn in erschreckender Weise an die 1930er Jahre, so Elser. Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 hatte der württembergische Pfarrer Julius von Jan (1897–1964) die Verbrechen an den deutschen Juden von der Kanzel aus angeprangert. Kurz darauf wurde sein Haus von der SA beschädigt und er selbst fast zu Tode geprügelt. „Ich frage mich, sind wir schon wieder so weit?“, so Elser. Er hat Anzeige beim Waiblinger Polizeirevier erstattet.