31.03.2025
Syrien: Islamisten ernennen Christin zur Ministerin
Hind Kabawat übernimmt das Ressort Arbeit und Soziales
Damaskus (IDEA) – Eine Christin wird Ministerin in der neuen Übergangsregierung in Syrien. Wie internationale Medien berichteten, hat der islamistische Machthaber Ahmed al-Scharaa die frühere Oppositionspolitikerin Hind Kabawat (Jahrgang 1974) zur Arbeits- und Sozialministerin ernannt. Sie war bisher unter anderem Direktorin für interreligiöse Friedensförderung am Zentrum für Weltreligionen, Diplomatie und Konfliktlösung der George Mason University (Fairfax/US-Bundesstaat Virginia) und stellvertretende Leiterin des Genfer Büros der „Syrischen Verhandlungskommission“, einem Gremium der syrischen Opposition gegen den früheren Machthaber Baschar al-Assad. Unter den 22 Ministern der neuen Übergangsregierung sind auch Vertreter anderer religiöser Minderheiten: Der Alawit Jarub Badr wird Verkehrsminister, der Druse Amgad Badr übernimmt das Landwirtschaftsressort. Schlüsselressorts wie das Innen-, Verteidigungs- und Außenministerium werden allerdings von Vertretern der islamistischen Miliz Hai‘at Tahrir al-Sham (HTS) besetzt, die aus der früheren islamistischen Al-Nusra-Front hervorgegangen ist.
Kritik an fortschreitender Islamisierung
Anfang des Monats hatten Einheiten der islamistischen Regierung Massaker an Mitgliedern der christlichen und der alawitischen Minderheit angerichtet. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) kritisierte vor der Ernennung der Übergangsregierung, die neuen Machthaber in Syrien trieben die Islamisierung des Landes voran. So würden Kreuze auf christlichen Gräbern zerstört und Moscheen auf Universitätsgeländen errichtet. Essen und Rauchen seien während des muslimischen Fastenmonats Ramadan von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang für alle Bewohner des Landes verboten worden. Außerdem müssten sich Frauen in der Öffentlichkeit verschleiern. Jungen und Mädchen würden in den Schulen getrennt unterrichtet und müssten in öffentlichen Verkehrsmitteln getrennt sitzen. Rund drei Viertel der 24 Millionen Einwohner Syriens sind sunnitische Muslime, etwa zehn Prozent sind Alawiten. Der Anteil der Christen beträgt je nach Schätzung zwischen zwei und vier Prozent. Aktuelle Zahlen sind schwer zu ermitteln. Rund sechs Millionen Syrer sind ins Ausland geflüchtet, hinzu kommen etwa sieben Millionen Binnenflüchtlinge.