12.11.2025
Afghanistan: Experte - Zahl der Christen wächst
Rückkehrer und Medien spielen dabei eine Rolle
Schwäbisch Gmünd (IDEA) – Trotz immer stärker eingeschränkter Menschenrechte durch die Taliban wächst die Zahl der Christen in Afghanistan. Das berichtet ein Afghanistan-Kenner, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt wird. Er hat viele Jahre lang dort gelebt und unterhält aktuell noch viele Kontakte. Der Experte sprach beim Kongress „Christenverfolgung heute. Weltweite Religionsfreiheit – Wachsende Kirchen“ in Schwäbisch Gmünd. Er war nach eigenen Angaben entsetzt, als die USA und ihre Verbündeten 2021 nach 20-jährigem Einsatz kurzfristig abzogen. Dieser Schritt habe das Land ins Chaos gestürzt. Die durch die Taliban zerstörte und unter dem Schutz der US-Truppen mühsam aufgebaute Infrastruktur des Landes sei erneut gefährdet gewesen. Der Redner warf den USA vor, die dortige Bevölkerung alleingelassen zu haben. Schnell hätten die Taliban die bestehende Demokratie abgeschafft und Menschen- und Frauenrechte massiv eingeschränkt. Das Regime habe Richter durch eigene Leute ersetzt und angeordnet, Hinrichtungen und Auspeitschungen wieder öffentlich durchzuführen. Auch die Todesstrafe für Religionswechsel sei wieder in Kraft gesetzt worden. Der Hilfswerkmitarbeiter berichtete, dass vor einigen Wochen eine Gruppe afghanischer Christen verhaftet worden sei. Er befürchtet, sie könnten unter den aktuellen Umständen hingerichtet werden. Neben den Taliban seien auch andere islamistische Gruppierungen im Land aktiv, darunter die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).
Große Offenheit für Gottes Botschaft
Dennoch wächst laut dem Afghanistan-Experten die Zahl der Christen. Die Offenheit in der Bevölkerung für die christliche Botschaft sei überraschend groß. Viele sähen, was die Taliban ihnen antun, und suchten nach Alternativen. Dabei spielten christliche Medien wie Al Hayat TV eine wichtige Rolle. Sie könnten über das noch immer bestehende Internet die christliche Botschaft in afghanischer Sprache verbreiten. Überdies seien im Jahr 2021 Hunderte vor den Taliban geflüchtete Afghanen aus Pakistan und dem Iran abgeschoben worden – unter ihnen auch Christen. Bei ihnen erkennt der Deutsche eine neue Form der Entschlossenheit, nicht erneut zu fliehen, sondern nun in ihrer Heimat zu bleiben und aktiv zu werden. Das mache ihm Mut. Doch auch im Ausland kämen viele Afghanen derzeit zum christlichen Glauben. Der Mitarbeiter verwies dabei als Beispiel auf Finnland, wo die Regierung selbst von 1.000 Glaubensübertritten in der jüngeren Vergangenheit sprach. Veranstalter des viertägigen Kongresses sind das Christliche Gästezentrum Schönblick (Schwäbisch Gmünd) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit 42 christlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus dem deutschsprachigen Raum. Er fand vom 9. bis 12. November statt.