07.04.2026
Niederlande: Sprengsatz explodiert vor Sitz von „Christians for Israel“
Es ist nicht der erste Übergriff auf das dortige Israelzentrum
Nijkerk/Herrenberg (IDEA) – Im niederländischen Nijkerk ist in der Nacht von Karfreitag auf -samstag vor dem Hauptsitz der internationalen Hilfsorganisation „Christians for Israel“ (C4I) ein Sprengsatz explodiert. Nach Angaben des deutschen Zweiges „Christen an der Seite Israels“ (CSI/Herrenberg), kam es am 3. April kurz vor Mitternacht zu einer Explosion am Tor eines neu errichteten Sicherheitszauns. Verletzte gab es nicht. Die Polizei nahm Ermittlungen auf und fahndet nach einer schwarz gekleideten Person, die den Sprengsatz am Tatort platziert haben soll. Laut CSI war das Israelzentrum in Nijkerk bereits mehrfach Ziel von Angriffen. Ende November 2024 sei es zu einem Farbanschlag gekommen, der von mehreren Aktivistengruppen unter Federführung der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ verübt worden sei. Zudem habe es wiederholt Demonstrationen und kleinere Übergriffe gegeben, weshalb die Sicherheitsvorkehrungen zuletzt verstärkt worden seien. Der Vorfall steht laut CSI möglicherweise im Kontext weiterer Angriffe auf jüdische und proisraelische Einrichtungen in der Region. Mitte März hatte es unter anderem Explosionen und Brandanschläge in Belgien und den Niederlanden gegeben.
„Es betrifft uns alle“
Die Leiterin der Hilfsprojekte der deutschen Niederlassung, Anemone Rüger, zeigte sich gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA betroffen: „Wenn ein Zweig angegriffen wird, betrifft uns das alle.“ Zwar seien die Organisationen in den einzelnen Ländern rechtlich eigenständig, doch fühle man sich durch den gemeinsamen Auftrag eng verbunden. Dass die Unterstützung Israels inzwischen auch in Westeuropa mit Risiken verbunden sei, nehme man sehr deutlich wahr. „Wir sind uns bewusst, dass man sich nicht nur Freunde macht, wenn man an der Seite Israels steht“, so Rüger. Dennoch bleibe das Werk bei dieser Haltung. Konkrete zusätzliche Maßnahmen in Deutschland würden situativ geprüft. „Sicherheitserwägungen spielen bei jeder Veranstaltung eine Rolle“, erklärte sie. Bei größeren Veranstaltungen gebe es feste Abläufe, bei denen auch die Polizei eingebunden werde und die Gefährdungslage bewerte. Man lebe insgesamt „mit einem gestiegenen Sicherheitsbewusstsein“ und habe sich auf eine veränderte Realität eingestellt.
„Schockwirkung ist das eigentlich Herausfordernde“
Der materielle Schaden in Nijkerk ist nach Angaben von CSI überschaubar. Beschädigt wurde vor allem das Tor des Sicherheitszauns. Der Zaun habe sich in ausreichender Entfernung zum Gebäude befunden. Wäre die Explosion näher am Eingang erfolgt, hätte die Situation gravierender sein können. Die Detonation sei dennoch erheblich gewesen und in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern zu hören gewesen. Neben dem Sachschaden sei vor allem die beabsichtigte Einschüchterung spürbar. „Die Schockwirkung ist das eigentlich Herausfordernde“, so Rüger.
„Wir setzen unsere Arbeit fort“
Laut der Leiterin der Kommunikationsabteilung von C4I, Sara van Oordt, will das Werk seine Arbeit weiter fortsetzen: „Wir haben eine biblische Botschaft von Gottes Treue zu seinem Volk, und wir engagieren uns gegen Antisemitismus.“ In einer freien Gesellschaft dürfe es Meinungsverschiedenheiten geben, aber dies dürfe niemals eine Entschuldigung für Gewalt sein. „Dies ist eine Grenze, die nicht überschritten werden darf“, so van Oordt. In einer Stellungnahme betonte C4I, der Anschlag treffe die Organisation auch wegen seines Zeitpunkts besonders. Er ereignete sich während zentraler religiöser Feiertage – Pessach, das Gedenken an die Befreiung des jüdischen Volkes aus Ägypten, und Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. C4I hat Niederlassungen in mehr als 40 Ländern weltweit. Im Hauptsitz des Dachverbandes in den Niederlanden arbeiten rund 60 Personen inklusive der Ehrenamtlichen. Die deutsche Niederlassung wurde 1998 gegründet. Der Verein unterstützt Holocaustüberlebende und bedürftige Juden in Israel und Europa, setzt sich gegen Antisemitismus ein, fördert deutsch-israelische Beziehungen und vermittelt christlichen Gemeinden ein Verständnis für Israel und das Judentum. Ein besonderes Augenmerk gilt der großen jüdischen Gemeinschaft in der Ukraine, wo die Spätfolgen des Holocausts laut CSI bis heute zu spüren sind. Die vierteljährlich erscheinende kostenlose Zeitschrift des Vereins „israelaktuell.de“ erreicht rund 15.000 Leser.