07.04.2026

Nigeria: Fulani töten mehr als 30 Christen am Ostersonntag

Bewaffnete überfielen Gottesdienstbesucher in Kaduna und Benue

Abuja (IDEA) – In Nigeria ist es zu mehreren Angriffen auf Christen während der Osterfeiertage gekommen. Mehr als 30 Menschen starben dabei. Wie das Nachrichtenportal „Christian Daily International“ berichtet, überfielen mutmaßliche Fulani-Hirten am Ostersonntag (5. April) zwei Kirchen im nordnigerianischen Bundesstaat Kaduna. Während die Plattform von zwölf Toten spricht, melden andere Medien 15 ermordete Christen. Eine unbekannte Zahl von Personen soll überdies entführt worden sein. Die Vorfälle ereigneten sich in der überwiegend christlichen Ortschaft Ariko (Bezirk Kachia). Die Täter sollen dabei eine Kirche der „Evangelical Church Winning All“ (ECWA) sowie die katholische Kirche Sankt Augustin umzingelt und angegriffen haben, während die Christen darin ihre Ostergottesdienste feierten. Von den Verschleppten konnte die nigerianische Armee nach eigenen Angaben 31 später befreien. Laut „Christian Daily International“ überfielen am gleichen Tag bewaffnete Fulani-Hirten zusammen mit weiteren Terroristen auch das Dorf Jande (Bezirk Gwer East) im zentralnigerianischen Bundesstaat Benue. Augenzeugen zufolge starben dabei 17 Christen. Auch in dieser Ortschaft soll es zu zahlreichen Entführungen gekommen sein. Mehrere Häuser wurden zerstört. Benues Gouverneur Hyacinth Alia bezeichnete den Angriff als abscheulich und für seine Regierung inakzeptabel.

Nigeria weltweit am gefährlichsten für Christen

Seit Jahren kommt es in Nigeria zu Entführungen und Übergriffen auf Christen und gemäßigte Muslime durch radikale Gruppierungen und Banden. Neben den Fulani-Milizen im Norden des Landes sind auch dschihadistische Gruppen wie Boko Haram und der Islamische Staat in Westafrika (ISWAP) aktiv. Zudem ist im Nordwesten eine neue Terrorgruppe namens Lakurawa aufgetaucht, die mit der Al-Kaida-nahen Gruppierung „Jama’a Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin“ (JNIM) aus Mali verbunden ist. Nach Angaben des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors werden in Nigeria jedes Jahr mehr Christen getötet als in jedem anderen Land der Welt. Der Staat belegt auf dem Weltverfolgungsindex Rang sieben der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Das untermauern auch jüngste Zahlen der nigerianischen Menschenrechtsorganisation Intersociety. Ihr zufolge wurden zwischen dem 1. Januar und dem 6. April 2026 450 Christen getötet. Weitere 600 Personen seien in den ersten 96 Tagen des Jahres entführt worden. Ihr Vorsitzender, Emeka Umeagbalasi, sprach gegenüber der nigerianischen Zeitung „Vanguard“ von einem „Völkermord an nigerianischen Christen“, der sich immer mehr ausweite. Er warf der Regierung vor, die Angriffe als Konflikte zwischen Bauern und Hirten infolge des Klimawandels zu verschleiern und zugleich viele Millionen Dollar für internationale Lobbyarbeit auszugeben, um die Verfolgung von Christen herunterzuspielen. Nigeria ist mit über 230 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Etwa je 46 Prozent der Bevölkerung sind Christen oder Muslime.