10.04.2026

Israel: Übergriffe auf christliche Gemeinde im Westjordanland

Angriffe radikaler jüdischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland nehmen zu. Besonders betroffen: eine der ältesten christlichen Siedlungen weltweit.

Julian Borger berichtet im Guardian über die schwierige Situation christlicher Gemeinden im Westjordanland. Besonders betroffen sei das vollständig christliche Dorf Taybeh nordöstlich von Ramallah, eine der ältesten christlichen Siedlungen der Welt, heißt es. Umgeben von israelischen Siedlungen und inoffiziellen Außenposten sehen sich die christlichen Bewohner eingeschüchtert und vom Zugang zu ihrem Land ausgeschlossen.

Nach Angaben der örtlichen Kirche kam es in den vergangenen Monaten zu Brandanschlägen, Sachbeschädigungen und Übernahmen von Land. Selbst historische Kirchenstätten wurden beschädigt (siehe dazu auch Vatican NEWS und Asianews). Der katholische Priester Bashar Fawadleh erklärte gegenüber dem Guardian, Ziel sei es, den Alltag der Menschen unerträglich zu machen. Viele Familien hätten ihre Olivenhaine seit Jahren nicht mehr betreten können – ihre wichtigste Einkommensquelle.

Während Christen in Israel zahlenmäßig wachsen, ist ihr Anteil im Westjordanland stark zurückgegangen – von fünf Prozent im Jahr 1967 auf etwa ein Prozent heute. Christliche Palästinenser finden im Westen leichter Aufnahme und verlassen daher häufiger ihre Heimat, heißt es. Kirchenvertreter warnen: Setzt sich diese Entwicklung fort, könnten jahrtausendealte christliche Gemeinschaften verschwinden.

Taybeh gilt als das biblische Dorf Ephraim, in das sich nach dem Johannesevangelium Jesus mit seinen Jüngern zurückzog. Im 5. Jahrhundert wurde dort die erste Kirche gebaut. Im Juni und Juli 2025 griffen bewaffnete israelische Siedler das Dorf wiederholt an und setzten Häuser und Fahrzeuge in Brand. Die israelische Armee, die die Auseinandersetzung schlichten sollte, gab an, von „Terroristen“ im Dorf mit Steinen und „Schüssen“ angegriffen worden zu sein. Sie nahm nach eigenen Angaben fünf Israelis fest.

Quelle: www.jesus.de