10.04.2026
Russisch besetzte Ukraine: In der ukrainischen Region Lugansk geborener Pastor ausgewiesen
AKREF-A/10.04.26 - Am 21. März befahlen die Behörden der russischen Besatzungsmacht dem Baptistenpastor Vladimir Pawlowitsch Rytikov, innerhalb von zwei Wochen aus der Russischen Föderation und somit auch aus der von Russland annektierten Region Lugansk auszureisen. Seine Aufenthaltserlaubnis wurde einseitig annulliert. „Ich wurde hier geboren und lebe schon seit fast 67 Jahren hier und jetzt werde ich vertrieben“, stellte er fest. Am 21. März suchten Beamte der Einwanderungsbehörden Pastor Rytikov an seinem Wohnsitz in Krasnodon (offizieller ukrainischer Name Sorokyne) in der Region Lugansk auf, um ihn über seine Ausweisung in Kenntnis zu setzen. Am 23. März übergaben Beamte der Einwanderungsbehörde Pastor Rytikov ein Dokument, in dem bestätigt wird, dass die Zweigstelle Lugansk des russischen Innenministeriums am 11. Februar seine Aufenthaltserlaubnis annulliert hatte und befahlen ihm, innerhalb von 15 Tagen auszureisen. „Sollten Sie nicht innerhalb der angegebenen Frist ausreisen, werden sie abgeschoben“, hieß es in der Urkunde. Es liegt nahe, dass die Ausweisung verfügt wurde, um Pastor Rytikov für die Leitung der Baptistengemeinde zu bestrafen, die sich ohne russische Registrierung versammelt. Rytikov war bereits 1979 – 1982 in der Sowjetunion wegen der Ausübung seines Rechts auf Religionsfreiheit im Gefängnis, ebenso sein Vater.
Die von ihm geleitete Gemeinde des Rats der Baptistengemeinden an seinem Geburtsort Krasnodon, die Rytikov seit 30 Jahren leitet, war schon mehrmals Ziel von Razzien. Mehrmals wurden Geldstrafen wegen „illegaler Missionstätigkeit“ gegen ihn verhängt.
Die russischen Behörden gehen immer wieder gegen Versammlungen von Gemeinden des Rats der Baptistengemeinden vor, die generell keine staatliche Registrierung anstreben.
Am 8. Februar kam es zu einer Razzia in der Baptistengemeinde von Slowjanoserbsk in der russisch besetzten Region Lugansk. Drei Personen, darunter der Pastor, wurden zur Polizeistation gebracht. Am 10. März verhängte das Stadtgericht Krasnyj Lutsch eine Geldstrafe in Höhe von 5.000 Rubel gegen Pastor Anatoly Krutik wegen Leitung eines „illegalen“ Gottesdiensts. Der Betrag der Geldstrafe entspricht einem durchschnittlichen Lohn für mehrere Arbeitstage. Am 9. Februar verhängte ein Gericht in Charzysk im Verwaltungsbezirk Donezk eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Rubel wegen der Leitung einer nicht registrierten Baptistengemeinde gegen Pastor Oleg Stroyev. In beiden vorgenannten Fällen waren Razzien vorangegangen. Gegen Pastor Leonid Ponomaryov, der bereits 2025 von einem Gericht in Mariupol zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, wurde ein weiteres Verfahren eingeleitet.
Im Vorjahr wurden auch Geldstrafen gegen mindestens vier andere Gemeinschaften im Verwaltungsbezirk Donezk verhängt: die jüdische Gemeinde Donezk, die römisch-katholische Pfarre St. Josef, ebenfalls in Donezk, sowie gegen eine nach russischem Recht registrierte Baptistengemeinde und eine Pfingstgemeinde in Charzysk.
Quelle: Forum 18, Oslo (Bericht vom 27. März 2026)
Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der EAÖ