13.04.2026

Niederlande: Gemeinde feiert seit 18 Monaten pausenlos Gottesdienst

Sie will damit christliche Familie vor der Abschiebung nach Usbekistan bewahren

Kampen (IDEA) – Seit November 2024 feiert die evangelische Kirchengemeinde „Open Hof“ in Kampen in der Provinz Overijssel im Norden der Niederlande ohne Unterbrechung Gottesdienste und Andachten. Ziel ist es, die aus Usbekistan stammende Familie Babayant so vor der Abschiebung zu schützen. Bei der sechsköpfigen Familie handelt es sich um assyrische Christen, die in Usbekistan zu einer kleinen Minderheit gehören. 95 Prozent der 36 Millionen Einwohner sind Muslime. Wie der Initiator des Kirchenasyls, Pfarrer Kasper Jager, der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte, dürfen Polizei und Behördenvertreter die Kirche nicht betreten, solange dort gesungen und gebetet wird. Insgesamt hätten sich bereits über 2.500 Menschen konfessionsübergreifend aus den ganzen Niederlanden an der Aktion beteiligt, so dass rund um die Uhr in der Gemeinde ein Programm stattfindet. Die Sonntagsgottesdienste besucht die Familie in der Regel persönlich. Zu ihr gehören neben Vater Aleksandar und Mutter Karina die Kinder Aram (22), Ariana (15), Amelia (11) und Aleksa (4). Seit zwölf Jahren lebt die Familie in den Niederlanden. Die beiden jüngsten Kinder sind dort geboren.

Aus Abschiebehaft ins Kirchenasyl

Nach den Worten von Jager befand sich die Familie bereits in Abschiebehaft im Flughafen in Amsterdam. Ihr Rechtsbeistand konnte die bereits fest geplante Abschiebung verhindern. Freunde der Familie kannten Jager, der sofort einwilligte, die Familie ins Kirchenasyl aufzunehmen. Für sie wurde ein Mehrzweckraum neben dem Gottesdienstraum zu einer Wohnung umgestaltet. Die Familie darf die Kirche nicht verlassen. Die schulpflichtigen Kinder werden privat in der Kirchengemeinde beschult, Freiwillige kochen für die Familie und die Unterstützer.

Studie: Abschiebung führt zu Entwicklungsschäden bei Kindern

Zum Hintergrund des Asyls verweist Jager auf eine Studie mit dem Titel „Risiko von Schäden im Zusammenhang mit der Abschiebung von Kindern mit langjährigem Aufenthalt“. Der Arzt für Klinische Neuropsychologie, Prof. Erik Scherder (Amsterdam) sowie die Kinderrechtsexpertin Carla van Os (Capelle aan den IJssel) und die (Kinder-) Verhaltensforscherin Elianne Zijlstra (Groningen), kommen darin zu dem Ergebnis, dass eine Abschiebung von Kindern nach fünf Jahren Aufenthalt in den Niederlanden immer schwerwiegende Entwicklungsschäden verursache. Davor wolle man die Kinder bewahren. Von einer Abschiebung sind derzeit in den Niederlanden 450 minderjährige Kinder bedroht. Nach den Worten von Jager hoffen die Unterstützer des Kirchenasyls auf eine positive Entscheidung der neuen Minderheitsregierung, die am 23. Februar 2026 ihr Amt angetreten hat. Ziel sei es, dass die Familie Babayant ohne Angst in den Niederlanden bleiben kann. Neuer Ministerpräsident ist Rob Jetten von der sozialliberalen Partei D66. Durch das Kirchenasyl wolle man Zeit schaffen, bis die Politik eine Einigung ermögliche, so Jager. Im Gespräch mit der christlichen Internetplattform reformiert.info bedankt sich Mutter Karina für alle Unterstützung: „Ich staune immer wieder. Natürlich, wir wünschen uns ein normales Leben, aber das hier geht mir sehr ans Herz. Wenn ich all diese Menschen sehe, die sich für uns einsetzen, gibt mir das Hoffnung.“