14.04.2026

Deutschland: „Arche“-Gründer Siggelkow warnt vor wachsender Gewalt an Schulen

Hintergrund ist eine neue Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik

Berlin (IDEA) – Der Gründer und Leiter des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks „Die Arche“, Bernd Siggelkow (Berlin), hat vor einer erhöhten Gewaltbereitschaft an deutschen Schulen gewarnt. „Wir haben unsere Schulen nicht mehr im Griff“, sagte der 62-Jährige in einer Videobotschaft. Hintergrund ist eine neue Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Demnach stieg die Zahl der erfassten Fälle einfacher Körperverletzung gegen Lehrkräfte im Jahr 2024 auf 1.283. Zum Vergleich: In den Jahren 2015 bis 2023 lag die Zahl zwischen 717 und 1.017 gemeldeten Fällen. Einzig 2021 gab es mit 564 Fällen deutlich weniger – was mit Schulschließungen während der Corona-Pandemie erklärt werden kann. Auch bei Gewaltstraftaten – darunter fallen unter anderem Mord, Totschlag, gefährliche und schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung sowie Geiselnahme – ist seit 2015 ein anhaltender Anstieg zu verzeichnen – mit Ausnahme der Corona-Jahre 2020 und 2021. Im Jahr 2015 registrierte die Polizei bundesweit 268 Fälle, in denen Lehrkräfte Opfer solcher Delikte wurden. 2023 lag die Zahl bei 477, ein Jahr später bei 557. Die PKS für 2025 ist noch nicht veröffentlicht. Siggelkow sieht Armut, Bildungsferne, schlechte Integration und Perspektivlosigkeit als Ursachen der zunehmenden Gewalt. Bereits 2003 habe er davor gewarnt, dass künftig immer mehr Sicherheitskräfte an deutschen Schulen zum Einsatz kommen müssten. „Wenn wir nicht anfangen, unsere Schulen zu verändern, wenn wir nicht anfangen, neue Teams in die Schulen zu bringen, damit Kinder Perspektiven haben, wenn wir nicht endlich anfangen, die Brennpunktschulen abzuschaffen, dann wird die Gewaltbereitschaft immer mehr zunehmen“, so Siggelkow.

Arche-Leiter: Staat muss nachjustieren

Der Staat müsse nachjustieren, das Schulsystem verändert werden. Notwendig sei, Kinder und Lehrkräfte besser zu schützen. Dabei spiele insbesondere das Thema Migration eine große Rolle. Es gelte zu verhindern, dass unterschiedliche kulturelle Vorstellungen von Autorität immer wieder zu Konflikten führten. Vor allem brauche es ein Bildungssystem, das Kindern echte Perspektiven biete. Siggelkow gründete „Die Arche“ 1995 in Berlin, um einen Beitrag gegen Kinderarmut zu leisten. Das Werk bietet Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen unter anderem kostenlose warme Mahlzeiten, Hausaufgabenbetreuung sowie persönliche Zuwendung. Heute hat „Die Arche“ über 30 Standorte in Deutschland, Polen und der Schweiz und finanziert sich hauptsächlich durch Spenden. Die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA würdigte Siggelkows Engagement mit der Auszeichnung „Hoffnungsträger des Jahres 2023“.