16.04.2026
Belarus: Katholischer Priester verhaftet
AKREF-A/16.04.26 - Am 16. März nahmen maskierte Sicherheitsbeamte den 65-jährigen katholischen Priester Pater Anatol Parachnewitsch in seiner Pfarrei in Alkovichi im Bezirk Vileika in der Region Minsk fest, wo er fast 20 Jahre lang tätig gewesen war. Sie durchsuchten sein Haus sowie die Kirche der Heimsuchung der Seligen Jungfrau Maria bis zum Abend. Der Geheimdienst KGB versiegelte das Haus von Pater Parachnewitsch und nahm die Kirchenschlüssel an sich. Die Behörden gaben die Schlüssel erst eine Woche später zurück, sodass die Sonntagsmesse am 22. März ausfallen musste, da die Pfarrgemeinde keinen Zugang zur Kirche hatte.
Pater Parachnewitsch wird seit seiner Festnahme am 16. März festgehalten. Das heißt, er war auch während der Karwoche, der heiligsten Zeit des Jahres für Christen, in Haft. Einige vermuten, dass er im Untersuchungsgefängnis des KGB in Minsk festgehalten wird.
Pater Juri Jassewitsch, Sprecher der Katholischen Bischofskonferenz, erklärte, die Kirche habe keine Informationen über den Fall von Pater Parachnewitsch. „Wir wissen, dass er festgenommen und sein Haus versiegelt wurde, aber wir wissen nicht, wo er festgehalten wird oder welche Vorwürfe gegen ihn erhoben werden könnten“, erklärte er von Minsk aus gegenüber Forum 18.
Die Verhaftung von Pater Anatol Parachnewitsch erfolgte vier Monate, nachdem die Behörden zwei andere katholische Priester freigelassen hatten. Pater Henryk Okolotowitsch und Pater Andrei Juchnewitsch, die in nicht öffentlichen Verhandlungen zu langen Kerkerstrafen verurteilt worden waren, wurden im November 2025 begnadigt und aus dem Arbeitslager entlassen. Unmittelbar danach wurden sie zum Flughafen Minsk gebracht und nach Rom ausgeflogen. Das hindert die Behörden jedoch nicht, Eigentum von Pater Henryk Okolotowitsch zu beschlagnahmen, um damit seine vom Gericht behaupteten Schulden zu bezahlen.
In Belarus ist jede Ausübung der Religions- bzw. Weltanschauungsfreiheit ohne staatliche Genehmigung illegal, was einen Verstoß gegen internationale Menschenrechtsnormen darstellt.
Quelle: Forum 18, Oslo (Bericht vom 10. April 2026)
Deutsche Fassung: Arbeitskreis Relig10onsfreiheit der EAÖ