17.04.2026

Nigeria: 386 mutmaßliche Islamisten bei Massenprozess verurteilt

508 Personen waren angeklagt – Nur zwei wurden freigesprochen

Abuja (IDEA) – Das Bundesgericht in der nigerianischen Hauptstadt Abuja hat 386 Angeklagte wegen Verbindungen zu islamistischen Terrorgruppen verurteilt. Die Strafen reichen von fünf Jahren bis lebenslanger Haft, wie unter anderem die Rundfunkanstalt BBC berichtete. Den Verurteilten wurden Verbindungen zu den rivalisierenden Terrororganisationen Boko Haram und ISWAP (Islamischer Staat in Westafrika) nachgewiesen. Ursprünglich seien 508 Personen angeklagt gewesen, teilten Beamte gegenüber der BBC mit. Zwei seien freigesprochen, acht aus dem Verfahren entlassen und 112 Fälle vertagt worden. Fünf Angeklagte hätten sich zu Beginn der Prozesse schuldig bekannt – unter anderem wegen des Verkaufs von Vieh sowie der Lieferung von Lebensmitteln und Informationen an die Terrorgruppen. Die Verurteilungen fallen in eine Zeit wachsenden Drucks auf die Regierung des bevölkerungsreichsten Staates Afrikas, die Gewalt im Land einzudämmen. Neben Terrormilizen bedrohen auch Banden, die Menschen zur Erpressung von Lösegeld entführen, die Sicherheitslage.

Regierung relativiert religiös motivierte Gewalt

Die nigerianische Regierung betonte in der Vergangenheit, die Gewalt im Land sei nicht gezielt religiös motiviert. Seit Jahren kommt es in Nigeria zu Entführungen und Übergriffen auf Christen und gemäßigte Muslime durch radikale Gruppierungen und Banden. Neben den Fulani-Milizen im Norden sind dschihadistische Gruppen wie Boko Haram und ISWAP aktiv. Im Nordwesten ist zudem eine neue Terrorgruppe namens Lakurawa aufgetaucht, die mit der Al-Kaida-nahen Miliz „Jama‘a Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin“ (JNIM) aus Mali verbunden ist. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors werden in Nigeria jedes Jahr mehr Christen getötet als in jedem anderen Land der Welt. Auf dem Weltverfolgungsindex belegt der Staat Rang sieben der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Reihe von Anschlägen

Zuletzt häuften sich Anschläge, von denen auch Christen betroffen waren. Am Ostersonntag (5. April) überfielen mutmaßlich Fulani-Hirten zwei Kirchen im nordnigerianischen Bundesstaat Kaduna. Am gleichen Tag war das Dorf Jande (Bezirk Gwer East) im zentralnigerianischen Bundesstaat Benue von einem Überfall betroffen. Berichten zufolge kamen dabei etwa 30 Christen ums Leben. Mitte März waren bei Explosionen in Maiduguri (Bundesstaat Borno) laut Berichten mindestens 23 Menschen getötet worden. Nach Angaben lokaler Kirchen war ISWAP für die Anschläge verantwortlich. Anfang März hatte Boko Haram das nahe gelegene Dorf Ngoshe angegriffen. Die Terrormiliz habe zudem ein Propagandavideo veröffentlicht, in dem eine Stimme sage: „Ungläubige! Allah verfluche euch!“ Nigeria hat mehr als 230 Millionen Einwohner. Jeweils rund 46 Prozent sind Christen oder Muslime.