20.04.2026

Deutschland: Mehr Menschen suchen Hilfe bei der Bahnhofsmission

Zahl der Hilfeleistungen in fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen

Berlin (IDEA) – Die Bahnhofsmissionen in Deutschland verzeichnen einen deutlichen Anstieg an Hilfesuchenden. Rund 2,2 Millionen Menschen haben sich im Jahr 2024 an die etwa 100 Standorte gewandt. Das gaben die Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie anlässlich des Tages der Bahnhofsmission am 18. April in Berlin bekannt. Den Angaben zufolge erbrachten die 300 hauptamtlich und 1.800 ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter dabei rund 5,2 Millionen Hilfeleistungen. Das entspricht gegenüber 2019 einem Anstieg von etwa 40 Prozent.

Anlaufstelle, Zufluchtsort und Rettungsanker

Die Bahnhofsmissionen werden seit 130 Jahren ökumenisch getragen und bieten eine niedrigschwellige, kostenlose Hilfe. Sie unterstützen Reisende beim Umstieg, helfen bei Notlagen und vermitteln zu lokalen Beratungsstellen für Wohnungslosigkeit, Sucht, Schuldnerberatung und bei Gewalterfahrungen. Die Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie, Elke Ronneberger, erklärte: „Zunehmend sind es von Armut betroffene Menschen, Wohnungslose oder Menschen mit psychischen oder Abhängigkeitserkrankungen.“ Die Einrichtungen seien „Anlaufstelle, Zufluchtsort und Rettungsanker“ zugleich – und ein „wichtiger Seismograph“ um gesellschaftliche Veränderungen zu erkennen. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa betonte die besondere Rolle der Bahnhöfe: „Bahnhöfe sind sozialer Brennpunkt und Zukunftsort zugleich – genau hier setzt die Arbeit der Bahnhofsmission an.“ Sozial- und Mobilitätspolitik müssten zusammengedacht werden.

Schließungen wegen Finanznot

In den vergangenen Jahren mussten mehrere Bahnhofsmissionen aus finanziellen Gründen schließen, darunter in Bad Hersfeld, Gießen, Darmstadt, Kempten und Oberhausen. Grund sind nach Angaben der Bahnhofsmission die schwierige Haushaltslage der Kommunen sowie sinkende Kirchensteuermittel. Klaus-Dieter Kottnik, Vorstand von Bahnhofsmission Deutschland, warnte: „Durch den Abbau sozialer Infrastruktur werden soziale Notlagen weiter verschärft.“ Notwendig sei „eine verlässliche Finanzierung und politische Priorität für solche niedrigschwelligen Hilfen im öffentlichen Raum“.

1894 zum Kampf gegen Prostitution gegründet

Die erste evangelische Bahnhofsmission wurde 1894 in Berlin gegründet; die erste katholische Bahnhofsmission 1897 in München. Ursprünglich dienten Bahnhofsmissionen dem Kampf gegen Mädchenhandel und Prostitution. Die Bahnhofsmissionen finanzieren sich überwiegend aus öffentlichen Zuschüssen sowie kirchlichen Mitteln und Spenden. Die Deutsche Bahn stellt den Bahnhofsmissionen unentgeltlich Räume und Infrastruktur zur Verfügung und übernimmt nahezu vollständig die damit verbundenen Neben- und Betriebskosten.