20.04.2026

Syrien: Entführte Bischöfe: Papst soll sich um Aufklärung bemühen

Menschenrechtsorganisation fordert Klarheit in einem Fall von 2013

Göttingen (IDEA) – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat Papst Leo XIV. aufgefordert, sich für die Aufklärung des Schicksals zweier 2013 in Syrien entführter Bischöfe einzusetzen. In einem offenen Brief bittet der Nahostreferent der Organisation, Kamal Sido (Göttingen), das Kirchenoberhaupt zudem, sich gegen die Verfolgung und Diskriminierung von Christen in Syrien und der Türkei auszusprechen. Es geht um den syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorius Yohanna Ibrahim, und den griechisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo und İskenderun, Boulos Yazigi. Unbekannte hatten sie am 22. April 2013 nahe Aleppo entführt. Der Fahrer der Bischöfe wurde erschossen. Bis heute gibt es keine Gewissheit über ihr Schicksal. „Ihre Familien, Freunde und Weggefährten warten immer noch auf eine Aufklärung“, heißt es in dem Schreiben. Die Stadt Weimar hatte die beiden Bischöfe 2014 auf Vorschlag der GfbV in Abwesenheit mit ihrem Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Spielten al-Scharaa und Erdogan eine Rolle bei der Entführung?

Sido, der sich in dem Brief als Muslim zu erkennen gibt, äußert den Verdacht, dass der heutige syrische Machthaber Ahmed al-Scharaa und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Rolle bei der Entführung gespielt haben könnten. Al-Scharaa sei zur Zeit der Entführung unter seinem islamistischen Kampfnamen Abu Mohammad al-Jolani mit seinen Milizen in Aleppo aktiv gewesen. Erdogan habe diese Milizen in Idlib und anderen Teilen Syriens unterstützt. Beide Politiker seien „maßgeblich für die Verbrechen an christlichen Minderheiten in der Türkei, in Syrien und anderen Nachbarländern verantwortlich“. Die GfbV begrüßt den Einsatz des Papstes für den Frieden und seine Kritik an US-Präsident Donald Trump. Wünschenswert sei, dass sich Leo XIV. als moralische Instanz auch gegen die Politik anderer autoritärer Politiker und Diktatoren ausspreche. Die großen Kirchen in Deutschland, in Europa und auch der Vatikan dürften vor dem Schicksal der christlichen Minderheiten in Syrien nicht die Augen verschließen. Gleichgültigkeit ermutige das Regime in Damaskus und radikalsunnitische Islamisten zu immer neuen Angriffen auf Minderheiten. Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs 2011 ist die Zahl der Christen im Land laut GfbV dramatisch gesunken. Vor dem Krieg hätten etwa 1,5 bis zwei Millionen Christen in Syrien gelebt – rund zehn Prozent der Bevölkerung. Aktuelle Schätzungen für 2026 gingen davon aus, dass nur noch etwa 300.000 Christen im Land verblieben seien. Das entspreche einem Rückgang von über 80 Prozent. Die GfbV bat den Papst, sie über seine Bemühungen zur Aufklärung des Schicksals der beiden Bischöfe von Aleppo zu informieren.