22.04.2026
Libanon: Rabbiner verurteilen Zerstörung von Jesus-Statue
Mehr als 150 Unterzeichner entschuldigen sich bei Christen weltweit
Jerusalem (IDEA) – Über 150 Rabbiner und jüdische Führungspersönlichkeiten haben nach Angaben der „Times of Israel“ in einem offenen Brief die Zerstörung einer Jesus-Statue durch einen israelischen Soldaten im Südlibanon verurteilt. Sie bezeichnen die Tat als „Entweihung des Namens Gottes“ und als „abscheulichen Verrat an jüdischen Werten“. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Als jüdische Führungspersönlichkeiten entschuldigen wir uns bei der christlichen Gemeinschaft für diese abscheuliche Tat und erneuern unser Engagement, für die Heiligkeit aller heiligen Stätten und sakralen Symbole einzustehen.“ Anlass ist ein am 19. April bekannt gewordenes Foto, das einen Soldaten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) zeigt, wie er mit einem Vorschlaghammer die Jesus-Statue in dem christlichen Dorf Debel zertrümmert. Sie war zuvor von einem Kreuz herabgefallen oder gewaltsam entfernt worden.
„Affront gegen Christen weltweit“
Wie die Rabbiner weiter schreiben, ist die Tat sei ein „Affront“ gegen die alten christlichen Gemeinschaften der Region und gegen Christen in aller Welt. Sie sei zudem eine „Wunde, die der zerbrechlichen jüdisch-christlichen Freundschaft zugefügt wurde, die wichtiger denn je ist“. Israel sehe sich Feinden gegenüber, die seine Zerstörung anstrebten – „und gerade in solchen Momenten ist moralische Klarheit am wichtigsten“. Die Rabbiner äußern in diesem Zusammenhang ihre Sorge um die jüdisch-christlichen Beziehungen: „Millionen von Christen stehen mit bemerkenswerter Treue an der Seite Israels, weil sie an Israels biblische Bedeutung und moralische Verheißung glauben.“ Tragischerweise wüssten zu viele Israelis nicht, wie stark Christen heute Israel und das jüdische Volk liebten. Das müsse sich ändern. Initiiert wurde die Stellungnahme von der israelischen Organisation „Israel365 Action“, die sich um den Brückenbau zwischen evangelikalen Christen und jüdischen Gemeinschaften auf der Grundlage gemeinsamer Unterstützung für Israel bemüht. Unterzeichnet wurde der Brief von Rabbinern aus dem orthodoxen, konservativen und Reform-Judentum. Darunter sind der Vorsitzende des „International Jewish Committee on Interreligious Consultations“ (Internationales Jüdisches Komitee für interreligiöse Konsultationen), Mark Dratch, sowie der Vizepräsident der Organisation „Religions for Peace“ (Religionen für den Frieden), David Rosen.
Zwei Soldaten zu Militärhaft verurteilt
Die Tat hatte international für scharfe Kritik gesorgt. Auch mehrere hochrangige israelische Politiker hatten sie verurteilt. Im Zusammenhang mit der Zerstörung der Statue haben die IDF inzwischen zwei Soldaten aus dem Kampfeinsatz abgezogen und sie zu jeweils 30 Tagen Militärhaft verurteilt. Betroffen sind der Soldat, der die Statue zertrümmert hatte, sowie derjenige, der ihn dabei fotografierte. Zugleich brachte die Armee nach Angaben der „Times of Israel“ eine neue Christusfigur an der Stelle an. Eine interne Untersuchung ergab, dass sechs weitere Soldaten am Tatort anwesend gewesen seien, ohne einzugreifen oder den Vorfall zu melden. Sie wurden zu „klärenden Gesprächen“ einbestellt; weitere disziplinarische Maßnahmen sollen folgen.