24.04.2026
Israel: Arabischer Christ wird erster Sondergesandter für christliche Welt
Außenminister Sa‘ar will Beziehungen zu Christen weltweit vertiefen
Jerusalem (IDEA) – Israel hat einen arabischen Christen zum ersten Sondergesandten für die christliche Welt ernannt. Das gab das Außenministerium am 23. April bekannt. Außenminister Gideon Sa‘ar berief den Diplomaten George Deek in diese neue Position. Er hat die Aufgabe, die Beziehungen Israels zu christlichen Gemeinschaften weltweit zu vertiefen. Deek war zuletzt israelischer Botschafter in Aserbaidschan und ist der erste christliche Botschafter, den Israel je entsandt hat. Der 42-Jährige gehört der arabisch-christlichen Gemeinschaft in Jaffa an. Sein Vater, Youssef Deek, war Vorsitzender der orthodox-christlichen Gemeinschaft in Jaffa und Israel, wie das Ministerium mitteilte.
ICEJ: Zeitgerechter und notwendiger Schritt
Die Ernennung erfolgt vor dem Hintergrund mehrerer Vorfälle, die das Verhältnis zur christlichen Welt belastet haben. „Der Staat Israel misst seinen Beziehungen zur christlichen Welt und zu seinen christlichen Freunden in aller Welt große Bedeutung bei“, erklärte Sa‘ar auf der Internetseite des Ministeriums. Er zeigte sich überzeugt, dass Deek dazu beitragen werde, diese Beziehungen zu festigen. Wie der christliche Nachrichtendienst „israel heute“ berichtet, bezeichnete der Vizepräsident und Sprecher der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ), David Parsons, die Ernennung Deeks als zeitgerechten und notwendigen Schritt: „Angesichts des aktuellen Krieges und insbesondere der Ausbreitung des Antizionismus in christlichen Kreisen wird es definitiv helfen, einen israelisch-arabischen Christen zu haben, der weltweit die Wahrheit über Israels demokratische Werte vermittelt.“ Der ehemalige Direktor der Abteilung für Interreligiöse Angelegenheiten des Amerikanisch-Jüdischen Komitees, Rabbi David Rosen (Jerusalem), äußerte: „Ich hoffe, dass dies ein tieferes Verständnis der israelischen Regierung dafür einleitet, wie die Beziehungen zu den lokalen christlichen Gemeinschaften das internationale Ansehen sowohl des Staates Israel als auch das Wohlergehen jüdischer Gemeinden weltweit beeinflussen.“
Immer wieder in der Kritik
Israel war in der jüngeren Vergangenheit mehrfach aufgrund seines Umgangs mit Christen und christlichen Gemeinschaften in die Kritik geraten. So hatten Sicherheitskräfte etwa dem Lateinischen Patriarchen Pierbattista Pizzaballa und dem Kustos Francesco Ielpa am Palmsonntag (29. März) den Zugang zur Grabeskirche verwehrt. Als Begründung wurden kriegsbedingte Beschränkungen genannt. Nach internationalen Protesten ordnete Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, Pizzaballa „vollen und sofortigen Zugang“ zur Kirche zu gewähren. Am 19. April erschien ein Foto in den sozialen Medien: Es zeigt einen Soldaten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), wie er mit einem Vorschlaghammer eine Jesus-Figur in dem christlichen Dorf Debel im Südlibanon zertrümmert. Der Vorfall löste weltweit massive Empörung aus. Netanjahu verurteilte die Zerstörung der Statue auf dem Nachrichtenkanal X (ehemals Twitter) „auf das Schärfste“. Kurz darauf wurden sowohl der Täter als auch der Urheber des Bildes jeweils zu 30 Tagen Militärhaft verurteilt.
Übergriffe auf Christen nehmen zu
In den vergangenen Monaten kam es überdies vermehrt zu Übergriffen extremistischer Siedler auf christliche Gemeinschaften im Westjordanland – wie etwa auf das christliche Dorf Taybeh – sowie in der Jerusalemer Altstadt. Die Zunahme solcher Vorfälle zeigt sich auch im Jahresbericht des „Rossing Zentrums für Bildung und Dialog“ (Jerusalem): Demnach soll es im Jahr 2025 insgesamt 155 dokumentierte Vorfälle gegeben haben. 61 davon waren körperliche Angriffe auf Christen wie etwa Anspucken, 52 Attacken auf kirchliches Eigentum, 28 Fälle von Belästigungen und 14 Verunstaltungen öffentlicher Schilder mit christlichen Inhalten. 2024 meldete die Organisation noch 111 Übergriffe. Von den 10,2 Millionen Einwohnern Israels sind laut jüngsten Angaben des israelischen Zentralbüros für Statistik (CBS) 1,9 Prozent Christen.