27.04.2026

Deutschland: Antisemitismus verbindet Islamisten und Linksextreme

Hessische Verfassungsschutz-Studie analysiert Proteste nach dem 7. Oktober 2023

Wiesbaden (IDEA) – Antisemitismus hat sich nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zu einem verbindenden Element zwischen Islamisten und Linksextremisten entwickelt. Das geht aus einer Studie des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz hervor, die am 27. April in Wiesbaden vorgestellt wurde. Das Amt untersuchte das propalästinensische Protestgeschehen in Hessen zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 6. Februar 2024.

Anstieg antisemitischer Straftaten um 224 Prozent

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach bei der Vorstellung von einer „besorgniserregenden Entwicklung“. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2025 für Hessen sei die Zahl antisemitischer Straftaten zwischen 2022 und 2025 von 107 auf 347 Fälle gestiegen – ein Plus von 224 Prozent. „Es beschämt mich zutiefst, was Jüdinnen und Juden 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland ertragen müssen“, so der Innenminister. Der Hamas-Angriff sei eine Zäsur gewesen, die auch in Deutschland und Europa ein Klima geschaffen habe, in dem antisemitische Ressentiments im öffentlichen Raum offen zutage träten.

Israelhass als „Brückennarrativ“

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Israelfeindlichkeit und antisemitische Erzählungen als sogenannte Brückennarrative zwischen deutschen und türkischen Linksextremisten, Anhängern säkularer palästinensischer Organisationen sowie islamistischen Gruppierungen wirken. Dies habe zu einer Annäherung und faktischen Zusammenarbeit antiimperialistisch ausgerichteter Gruppen geführt. Gewalt gegen Juden werde verharmlost, gerechtfertigt oder sogar glorifiziert, indem der Überfall vom 7. Oktober als „gelungene Widerstandsaktion“ gefeiert werde. Israel werde zugleich im Narrativ eines „Völkermordes“ dämonisiert, während der Angriff auf das Land ausgeblendet werde. Im Islamismus werde der Hass auf Israel und auf jüdische Bürger stellenweise als religiöse Pflicht dargestellt. Gruppen wie „Realität Islam“ (RI) nutzten den Nahostkonflikt zur Verbreitung ihrer Ideologie und dämonisierten Israel als „Kindermörder“.

Linksextremisten stellen Israel als „Kolonialmacht“ dar

Im Linksextremismus verbänden Organisationen wie die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und der Verein Palästina e.V. ihre antiimperialistische Ideologie mit israelfeindlichen Narrativen. Sie sprächen von einem „Genozid in Gaza“ und stellten Israel als „Kolonialmacht“ dar. Rechtsextremistische Akteure spielten im untersuchten Protestgeschehen keine Rolle, blieben aber durch die Verbreitung antisemitischer Vorurteile und Verschwörungsmythen weiterhin eine Gefahr. Die Studie verweist auf Parolen wie „Kindermörder Israel“, „From the river to the sea“ oder „Widerstand ist Völkerrecht“, die bei Demonstrationen, in Sozialen Medien und an Hochschulen skandiert würden. Antisemitismus sei kein isoliertes Phänomen mehr, sondern ein Querschnittsthema, das verschiedene extremistische Milieus verbinde. Er finde auch in der gesellschaftlichen „Mitte“ Anklang, wo er als vermeintlich legitime Israelkritik getarnt werde.