29.04.2026

Bergkarabach: Kathedrale und Kirche zerstört

Die armenisch-orthodoxe Kirche beschuldigt Behörden in Aserbaidschan

Chankendi (IDEA) – In Bergkarabach sind eine armenisch-christliche Kathedrale und eine Kirche zerstört worden. Das zeigen am 26. April veröffentlichte Satellitenbilder der Sendeanstalt „Radio Free Europe/Radio Liberty“. Die Kathedrale steht in der Stadt Chankendi (armenisch: Stepanakert), der größten Stadt der Region Bergkarabach. Auch eine zweite bedeutende christliche Stätte, die St.-Jakobs-Kirche, sei zerstört worden. Berichte über die Zerstörung der Kathedrale waren Mitte April in armenischen Medien aufgetaucht, doch fehlten bis zuletzt aktuelle Bilder vom Standort. Der Bau des Gotteshauses hatte 2006 begonnen, geweiht wurde es 2019. Die Kathedrale sei der wichtigste Andachtsort der Stadt. Ihr Untergeschoss diente während der militärischen Auseinandersetzungen mit aserbaidschanischen Streitkräften in den 2020er Jahren auch als Luftschutzbunker. Die St.-Jakobs-Kirche wurde 2007 fertiggestellt und von einem armenisch-amerikanischen Mäzen zum Gedenken an seinen verstorbenen Sohn finanziert. Die Oberhäupter der armenisch-orthodoxen Kirche warfen den Regierungsbehörden Aserbaidschans in einem Schreiben vom 23. April vor, „armenisch-christliche Heiligtümer“ gezielt ins Visier zu nehmen, um die „armenische Präsenz“ aus Bergkarabach „auszulöschen“. Auch die Kreuzsteine auf dem Gelände rund um die zerstörte St.-Jakobs-Kirche seien beseitigt worden.

Aserbaidschan: Regierung wehrt sich gegen Vorwürfe

Aus Baku kamen Dementis. Die aserbaidschanische Parlamentsabgeordnete Elnare Akimova bezeichnete die Berichte über die Zerstörung der Kirchen am 22. April als „eine Provokation revanchistischer Kräfte“, die dem Ansehen Bakus schaden solle. Ihr Land habe „religiöse und historische Denkmäler auf seinem Territorium als staatliche Politik bewahrt“, so Akimova. Es habe „niemals die Absicht gehabt, religiöses Erbe zu zerstören“. Nach Angaben der christlichen Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI/ Maur im Kanton Zürich) unterliegen die Aktivitäten der Religionsgemeinschaften in Aserbaidschan strengen staatlichen Kontrollen. Die Religionsfreiheit sei eingeschränkt, und christliche Konvertiten würden von den Behörden schikaniert. Bergkarabach gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan, die Bewohner waren aber mehrheitlich orthodoxe Armenier. Sie erklärten Anfang der 1990er Jahre ihre Unabhängigkeit und riefen die „Republik Bergkarabach“ aus (seit 2017 Republik Arzach). Im September 2023 hatte Aserbaidschan die alleinige Kontrolle über die Region übernommen, worauf rund 100.000 Armenier von dort nach Armenien geflohen sind.