10.02.2026
Nigeria: Entführte Christen aus Kurmin Wali befreit
Bewaffnete hatten sie im Januar aus zwei Gottesdiensten verschleppt
Kaduna (IDEA) – In Nigeria sind die mindestens 163 im Januar entführten Christen wieder frei. Bewaffnete Kämpfer hatten sie am 18. Januar in Kurmin Wali (Bundesstaat Kaduna) aus zwei Gottesdiensten verschleppt. Anfangs bestritten die lokale Verwaltung und die Polizei des Bundesstaates die Entführung, bestätigten sie dann doch. Auch bei der Zahl der Entführten gibt es unterschiedliche Angaben: Die meisten Medien berichten von 163 Opfern, die nigerianische Nachrichtenplattform punch hingegen von 183. Laut punch waren die Christen im Rahmen einer koordinierten Operation unter Beteiligung der Regierung von Kaduna, des Büros des Nationalen Sicherheitsberaters und des Staatssicherheitsdienstes befreit worden. Gegenüber dem Portal berichtete eine der Betroffenen, dass die Entführten unmittelbar nach dem Angriff gezwungen worden seien, sechs Tage lang durch dichten Wald zu marschieren. Besonders schlimm sei die Grausamkeit gegenüber den Kindern gewesen. „Sie schlugen uns, auch unsere Kinder, vor allem, wenn die Kinder weinten“, sagte sie. Der Leiter der Nordregion der Christlichen Vereinigung von Nigeria (CAN), Pastor Joseph Hayab (Kaduna), zeigte sich erleichtert über die sichere Freilassung der entführten Gläubigen und dankte dem Gouverneur Uba Sani. Er habe sein Versprechen gehalten, die Freilassung der Verschleppten sicherzustellen.
Rädelsführer von Massaker an Christen angeklagt
Auch im Zusammenhang mit dem Massaker im mehrheitlich von Christen bewohnten Yelwata (Bundesstaat Benue) gibt es gute Nachrichten. Wie das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors berichtet, sind neun mutmaßliche Rädelsführer vor dem Bundesgerichtshof in der nigerianischen Hauptstadt Abuja angeklagt worden. Am 13. Juni 2025 hatten bewaffnete Männer die Ortschaft gestürmt, Gebäude in Brand gesetzt und schlafende Familien sowie Binnenvertriebene getötet. Viele der Flüchtlinge hatten nach vorhergehenden Angriffen auf ihre eigenen Dörfer in Yelwata Zuflucht gesucht. Überlebende berichteten, dass die Angreifer die Fliehenden gezielt getötet hätten. Überdies hätten die Täter „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen. Laut Open Doors klagte die Staatsanwaltschaft nun die neun Männer in 57 Punkten des Terrorismus an. Den Gerichtsdokumenten zufolge trafen sie sich im Vorfeld der Tat im benachbarten Bundesstaat Nasarawa, um Geld zu beschaffen, Anweisungen zu erteilen und Kämpfer zu rekrutieren. Einige sollen Sturmgewehre geliefert, die Bewaffneten unterstützt oder sichere Orte für die Planung bereitgestellt haben. Die Angeklagten plädierten auf „nicht schuldig“.
Ein wichtiger Präzedenzfall
Open Doors bewertet das Verfahren als einen wichtigen Schritt gegen die weit verbreitete Straflosigkeit bei Angriffen auf Christen in Nigeria. Dazu heißt es in einer Mitteilung: „Wir begrüßen die Maßnahmen der nigerianischen Regierung zur Einleitung von Ermittlungen und fordern die Behörden nachdrücklich auf, dies zu einem Präzedenzfall zu machen, um Gewalt und die weit verbreitete Straflosigkeit dauerhaft einzudämmen.“ Das Massaker von Yelwata sei kein Einzelfall. Die Details der Anklage zeigten, „dass diese Morde koordiniert und vorsätzlich waren“ und es sich nicht um sporadische Zusammenstöße zwischen verschiedenen Gemeinschaften gehandelt habe. Nigeria belegt auf dem Weltverfolgungsindex Rang sieben der Länder, die Christen am stärksten verfolgen. Es ist mit über 230 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Etwa jeweils 46 Prozent der Bevölkerung sind Christen oder Muslime.