17.02.2026
Deutschland: Abschiebung von ägyptischem Familienvater verhindert
Münster: Die koptisch-orthodoxe Gemeinde betete vor der Abschiebehaftanstalt
Münster (IDEA) – In letzter Minute hat ein Gericht in Münster die Abschiebung eines ägyptischen Familienvaters gestoppt. Der koptisch-orthodoxe Christ hatte einen entsprechenden Eilantrag gestellt. Das bestätigte die stellvertretende Pressesprecherin des Verwaltungsgerichts Münster, Anna Schrader, der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Ursprünglich sollte die gesamte vierköpfige Familie abgeschoben werden, erklärte sie. Aufgrund der schweren Erkrankung der Ehefrau war dies aber nicht möglich. Die zuständige Ausländerbehörde des Kreises Warendorf hatte daraufhin die alleinige Abschiebung des Mannes am 13. Februar angeordnet. Das untersagte das Gericht. Ein solches Vorgehen hätte, so das Gericht, dem im Grundgesetz verankerten Schutz der Familie widersprochen.
Familie gab Verfolgung als Asylgrund an
Schrader zufolge hat sich die Familie in ihrem Asylverfahren darauf berufen, dass sie wegen ihres koptisch-christlichen Glaubens verfolgt werde. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe den Antrag 2022 aber abgelehnt. Dagegen hätten die ägyptischen Christen Klage eingereicht, die am 6. Februar 2024 abgewiesen worden sei. Das Gericht habe damals in seiner Urteilsbegründung ausgeführt, dass es keine „Gruppenverfolgung“ von koptischen Christen in Ägypten annimmt. Einer individuellen Verfolgung könne die Familie durch einen Umzug innerhalb ihrer Heimat ausweichen – es gebe also eine inländische Fluchtalternative. Über den weiteren Verlauf in dem Verfahren entscheide nun die Ausländerbehörde in Warendorf, so die Sprecherin.
Die Familie hatte sich gut in Deutschland integriert
Der Metropolit der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Generalbischof Anba Damian (Höxter), zeigte sich gegenüber IDEA dankbar über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Er äußerte sein Unverständnis über die zeitweise drohende Abschiebung des Familienvaters. Die Kinder seien noch minderjährig. Zudem lebe die Familie bereits seit über vier Jahren in Deutschland und sei gut integriert. Solange es rechtlich möglich gewesen sei, habe der Vater gearbeitet. Die Ehefrau habe eine Ausbildung angestrebt. Die Mitglieder der koptisch-orthodoxen Gemeinde in Münster, zu der die Familie gehört, habe das Schicksal sehr betroffen gemacht. Daher habe er sich mit Gemeindemitgliedern und dem Diakon der Ortsgemeinde, Amgad Soweha (Münster), am Tag vor der geplanten Abschiebung vor der Haftanstalt in Büren getroffen und dort gemeinsam mit ihnen für den dort inhaftierten Familienvater gebetet. Es habe sich dabei nicht um eine Protestaktion gehandelt, so Damian. Über eine Stunde seien sie im Regen gestanden und hätten gebetet, dass Gott eingreifen möge. Sie hätten dadurch auch ihren Gefühlen, ihrem Mitleid und ihrer Trauer Ausdruck verschafft. Die koptisch-orthodoxe Kirche hat ihre Wurzeln in Ägypten und hat eine reiche Tradition. Sie zählt zu den ältesten Kirchen weltweit. In Deutschland sollen rund 10.000 bis 15.000 koptisch-orthodoxe Gläubige leben.