17.02.2026
Nordkorea: Missionar freigelassen
Jang Moon Seok war mehr als ein Jahrzehnt in Haft
Kelkheim/Pjöngjang (IDEA) – Der chinesisch-koreanische Missionar Jang Moon Seok ist nach mehr als zehn Jahren Haft in Nordkorea freigekommen. Das teilte das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) mit. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und IDEA hatten Jang im Oktober 2020 zum „Gefangenen des Monats“ benannt.(siehe auch AKREF )Zum Hintergrund: Nordkoreanische Agenten hatten Jang im November 2014 aus der chinesischen Grenzstadt Changbai entführt, dann förmlich verhaftet und schließlich zu 15 Jahren Haft verurteilt. Sein Wohnsitz befand sich in Changbai, und er trug inzwischen den chinesischen Namen Zhang Wen Shi. Der Missionar half Grenzgängern aus Nordkorea, die vom Handel beiderseits der Grenze lebten oder auf der chinesischen Seite nach Medizin oder anderem Notwendigen suchten. Er unterstützte viele von ihnen, indem er sie mit einem Quartier oder etwa Kleidung versorgte. Dabei sprach er auch über seinen Glauben, den einige annahmen. Die Vorwürfe lauteten unter anderem „Verunglimpfung des Regimes“ und „versuchte Anstiftung zum Umsturz“. Jang soll sich mittlerweile bei seiner Familie in China aufhalten.
Freilassung: Anstoß für Gebet
Der Koordinator von Open Doors für die Arbeit unter Nordkoreanern, Simon Lee, zeigte sich dankbar für die Entlassung Jangs: „Nicht jeder überlebt eine Haft in Nordkorea.“ Weiter äußerte er: „Die Umstände sind extrem schwierig, selbst für Menschen mit ausländischem Pass.“ Hilfe für Nordkoreaner sei „äußerst riskant“, so Lee. „Man kann sein Leben verlieren, besonders wenn man seinen christlichen Glauben weitergibt. Nordkorea hat viele Spione in China, deren Aufgabe es ist, Helfer zu identifizieren und Netzwerke zu infiltrieren.“ Insgesamt schätzt Open Doors, dass zwischen 50.000 und 70.000 Christen in Nordkorea in Arbeitslagern, Haftanstalten oder abgeschlossenen Dörfern gefangen gehalten werden. Die meisten wurden wegen des Besitzes einer Bibel, des geheimen Gottesdienstes oder Kontakten zu Christen außerhalb des Landes verhaftet. Die Haftbedingungen gelten als äußerst hart und oft lebensgefährlich. Nach Ansicht Lees ist die unerwartete Freilassung von Jang Moon Seok ein Anstoß zu Gebet. „Wir hätten nie gedacht, dass er seine Haft überlebt. Jetzt ist er zurück bei seiner Familie. Lasst uns dafür beten, dass viele weitere Christen, die derzeit in Haft sind, ebenfalls freikommen.“ Nordkorea belegt seit Jahren Platz eins auf dem Weltverfolgungsindex des Hilfswerks Open Doors. Es schätzt, dass etwa 400.000 der rund 26 Millionen Einwohner des Landes Christen sind.