18.02.2026

Bangladesch: Was das neue Parlament für Christen bedeutet

Nach dem Sturz der Premierministerin gewinnt islamistische Partei an Einfluss

Dhaka/Kelkheim (IDEA) – Im mehrheitlich muslimischen Bangladesch blicken die dortigen Christen nach dem Wahlsieg der nationalistischen Partei „Bangladesh Nationalist Party“ (BNP) mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Das teilte der Referent für Presse und Online des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main), Jens Fischer, der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mit. Zum Hintergrund: Nach schweren Unruhen im Jahr 2024 trat die damalige Premierministerin Sheikh Hasina am 5. August zurück und floh außer Landes. Ein Straftribunal verurteilte die säkular geprägte Muslima später in Abwesenheit wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode. Ihre Awami-Partei ist aktuell nicht aktiv. Übergangsweise übernahm der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus die Staatsgeschäfte. Mit dem Wahlsieg der muslimisch-konservativen BNP am 12. Februar heißt der neue Premierminister Tarique Rahman. Er ist der Sohn der ehemaligen Premierministerin Khaleda Zia (1945–2025) und des Ex-Präsidenten Ziaur Rahman (1936–1981). Zia war die größte Rivalin von Sheikh Hasina. Der 60-Jährige kehrte erst im Dezember 2025 nach 17 Jahren aus dem Exil in London zurück. Er versprach, sich für die Demokratie im Land einzusetzen. Am 17. Februar legte Rahman den Amtseid ab.

Islamistische Parteien gewinnen an Einfluss

Wie Fischer ausführt, hat mit der BNP zwar eine Mitte-Rechts-Partei die Regierung übernommen, doch islamistische Parteien hätten „mehr Sitze als je zuvor errungen“. „Islamistische politische Bewegungen haben in der Politik Bangladeschs sowohl an Sichtbarkeit als auch an Einfluss gewonnen“, erklärte er. Christen – insbesondere ehemalige Muslime – befürchten, dass diese Entwicklung ihren Alltag erschweren könnte. Insgesamt geht die Verfolgung religiöser Minderheiten derzeit weniger vom Staat aus, sondern hauptsächlich von Familie und Gesellschaft. Das bekämen aktuell besonders Hindus zu spüren, da Skeikh Hasina nach Indien geflohen sei. Doch auch Christen hätten Drohungen im Vorfeld der Wahlen erlebt (LINK: www.idea.de/artikel/bangladesch-druck-auf-christen-vor-parlamentswahl-waechst). Open Doors kündigte an, das politische Geschehen weiterhin eng zu beobachten. Fischer: „Wir fordern alle Politiker, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass Recht und Ordnung im ganzen Land gewahrt bleiben, und sich dafür einzusetzen, dass alle im Referendum gemachten Zusagen umgesetzt werden.“ Bangladesch liegt aktuell auf Platz 33 des Weltverfolgungsindexes. Von den rund 176 Millionen Einwohnern des Landes sind 89 Prozent Muslime und neun Prozent Hindus. Christen machen weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus.