19.02.2026

Iran: Opfer der Islamischen Republik - Gewalt und Todesfälle

IGFM: Iran-Bericht vom 17. Februar 2026

52. Tag der Revolution  - Im Zeitraum vom 11. Februar bis 17. Februar 2026 blieb die Menschenrechtslage im Iran weiterhin äußerst angespannt und ist geprägt von systematischen Repressionsmaßnahmen staatlicher Stellen. Regimeschergen gehen landesweit mit Härte gegen tatsächliche oder mutmaßliche Regimekritiker vor. Neben fortdauernden Festnahmen im Zusammenhang mit Protestaktivitäten richten sich die Maßnahmen zunehmend auch gegen Familienangehörige von Opfern, Studierende, Gewerkschaftsvertreter und -Vertreterinnen sowie Personen, denen regierungskritische Äußerungen in sozialen Netzwerken vorgeworfen werden. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Einschränkungen der Informations- und Kommunikationsfreiheit, wodurch eine unabhängige Überprüfung der tatsächlichen Lage erheblich erschwert wird. Insgesamt zeigt sich somit auch im aktuellen Berichtszeitraum ein fortdauerndes Muster schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen.

Die neueste Datenlage von HRANA zeigt, dass die Gesamtzahl der bestätigten Todesfälle bis zum Ende des fünfzigsten Tages seit Beginn der Proteste bei 7.015 liegt.

Die Zeitung The Guardian und weitere Berichte meldeten sogar über 30.000 Todesopfer. Aufgrund der anhaltenden Einschränkungen der Berichterstattung geht die IGFM davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer deutlich höher, als die von der Nachrichtenagentur HRANA bestätigte Zahl, ist.

Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle

Tina Nourali (27) wurde am 9. Januar in der Nähe des Haft-Hoz-Platzes in Teheran von den Streitkräften der Islamischen Republik angeschossen, verletzt und anschließend verhaftet. Nach einer Woche ohne jegliche Nachricht erhielt ihre Familie ihre Leiche zurück und begrub sie auf dem Behesht-Zahra-Friedhof.

Quellen aus dem Umfeld der Familie berichten, dass es Hinweise auf eine Schusswunde gibt, die ihr nach ihrer Festnahme zugefügt wurde und zu ihrem Tod führte.  Die Menschen erinnerten sich immer an ihr strahlendes, hoffnungsvolles Lächeln, das jeden Raum erhellte. Als Metallurgie-Ingenieurin war sie engagiert und kompetent in ihrem Fachgebiet. Privat spielte sie gerne Geige.

Der 14-jährige Sam Sohbatzadeh, ein kurdischer Junge aus Khalkhal in der Provinz Ardabil und Einwohner von Qods (Hasan Khan Castle) in Teheran, wurde am 8. Januar während der landesweiten Proteste auf der Straße durch einen direkten Schuss getötet. Seine Mutter trug seinen Leichnam zunächst auf den Schultern bis nach Hause und seine Familie brachte ihn anschließend mit dem Auto nach Khalkhal.

Abbas Deljoui, geboren 2004 in Ramsar, Student der Veterinärmedizin an der Shahid-Chamran-Universität in Ahvaz, nahm am 8. Januar an den Straßenprotesten in der Kianpars-Straße in Ahvaz teil und wurde von Agenten der Regierung der Islamischen Republik Iran festgenommen. Aufgrund des Drucks, den die Regierung auf seine Familie und Freunde ausübte, entschied diese sich gegen eine Berichterstattung in den Medien.

Am 4. Februar wurde er unter Auflagen und gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen und seine Gerichtsverhandlung auf den 17. Februar verschoben. Leider erlitt er in den frühen Morgenstunden des 16. Februars einen Schlaganfall und einen Herzstillstand und das, obwohl der 22-Jährige weder an einer Herzerkrankung noch an einer anderen spezifischen Krankheit litt. Berichten zufolge wurden die Verhafteten im Gefängnis gezwungen, täglich Tabletten einzunehmen – angeblich „Antibiotika”, um eine Infektion ihrer Wunden zu verhindern. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis sind die Opfer in hohem Maße von neuen Krankheiten und Infektionen betroffen, viele sterben an den Folgen der zwangsweise verabreichten Medikamente.

Willkürliche Festnahmen und Hinrichtungsgefahr

Ehsan Hosseini Pour, Matin Mohammadi und Erfan Amiri sollen Berichten zufolge gefoltert worden sein, um sie zu einem Geständnis zu zwingen. Sie sollen in Pakdasht eine Moschee in Brand gesteckt haben. Ihr Schauprozess wurde im staatlichen Fernsehen übertragen. Sie laufen Gefahr, sofort hingerichtet zu werden. Erzwungene Geständnisse sind eine Methode des islamischen Regimes, um junge Demonstranten ohne ein faires Verfahren oder einen Anwalt hinzurichten.

 

Der 17-jährige Boxer und Student Shayan Hadian aus Isfahan wurde wegen angeblichen Raubes verhaftet. Nun droht ihm die Hinrichtung.

Anna Barani, eine 23-jährige Bloggerin, wurde zum Informationsschalter vorgeladen und unter Druck gesetzt, ein erzwungenes Geständnis abzulegen. Noch bevor ein Urteil gefällt wurde, wurden ihre persönlichen Vermögenswerte beschlagnahmt und ihr eine Geldstrafe von 500 Millionen Tomans (umgerechnet 680 Euro) auferlegt. Die letzte von ihr veröffentlichte Nachricht lautete: „Bitte helft mir, ich habe große Angst vor dem Gefängnis.“

Die 23-jährige Englischlehrerin Aida Kushki wurde am 2. Februar in Shahadabad in der Provinz Kermanshah verhaftet. Seitdem liegen keine Informationen über ihren Haftort, ihren Gesundheitszustand oder ihren rechtlichen Status vor.

Mohammad Reza Abdollahpour (28), Anästhesietechniker am Atiyeh-Krankenhaus und in der Saadat-Abad-Klinik in Teheran, wurde festgenommen, als er einem Verletzten geholfen hatte. Nun droht ihm die Hinrichtung. Er hat keine Familie, die sich um seinen Fall kümmern könnte.

Gewalt mit militärischer Unterdrückung

Wie Iran International aus informierten Kreisen erfahren hat, haben Regierungstruppen am Montag, dem 16. Februar, ein Dorf im Westen des Iran gestürmt, das Gebiet umzingelt und Hunderte von Einwohnern festgenommen. Die Razzia richtete sich gegen das Dorf Chenar im Bezirk Asadabad in der Provinz Hamedan.

Dabei wurden Dutzende gepanzerte Fahrzeuge zusammen mit fünf Kleinbussen und Transportern eingesetzt. Die bewaffneten Einheiten positionierten vier schwere Maschinengewehre auf den Dächern des Dorfes, wie die Quellen berichteten.

Im Berichtszeitraum gedachten Menschen im Iran des 40. Tages seit den Massakern vom 8. und 9. Januar 2026. Dieser Tag wird „Chehelom“ genannt und ist ein traditionell bedeutsamer Trauertag in der iranischen Kultur. An vielen Orten fanden Gedenkveranstaltungen an den Gräbern der Getöteten statt, bei denen Familien, Freundinnen und Freunde ihrer Angehörigen gedachten und ihre Trauer öffentlich zum Ausdruck brachten. In einigen Fällen wurden die Zeremonien bewusst als Akt des Protests inszeniert und mit Musik, gemeinsamen Bewegungen und Symbolen des Widerstands verbunden, um sowohl Trauer als auch Unmut über das staatliche Vorgehen auszudrücken. Regimesschergen waren ebenfalls anwesend. Sie verhinderten teilweise, dass die Familien die Gedenkfeier abhalten konnten, und versuchten mit ihrer bewaffneten Präsenz eine Atmosphäre der Einschüchterung zu erzeugen, um jegliche Form von Zusammenkünften zu verhindern.

Es gibt Berichte über die Entführung von Schülern aus Klassenzimmern und Wohnungen, eine Welle gewaltsamer Verhaftungen von Jugendlichen in iranischen Schulen und das Verschwinden ganzer Familien.

Seit Beginn der landesweiten Proteste im Dezember 2025 gibt es zahlreiche Berichte aus dem Iran über gewaltsame Verhaftungen und Entführungen von Jugendlichen und Schülern. Oftmals erhalten die Familien tagelang oder sogar wochenlang keine Nachrichten über ihre Kinder. Dieses Phänomen wird als „erzwungenes Verschwinden“ bezeichnet.

So drangen die Regimeschergen oft in Zivilkleidung gewaltsam in Klassenzimmer ein, zerrten Schüler unter Schreien heraus und drohten in einigen Fällen damit, die gesamte Klasse zu verhaften, sollte es Widerstand geben. Beispiele hierfür sind die Verhaftung der 17-jährigen Sarina Rezaei an ihrer Schule in Qazvin sowie Razzien in Schulen in Izeh und Schuschtar (Westen von Iran).

Die bestätigten Daten zeigen, dass das Ausmaß der Festnahmen, Vorladungen und Opferzahlen weiterhin groß ist. Das Gesamtbild der Proteste am fünfzigsten Tag ist weiterhin von anhaltenden Zusammenstößen mit staatlichen Einheiten sowie sozialen und wirtschaftlichen Spannungen geprägt.

Die Gesamtzahl der Festnahmen beläuft sich auf 53.552, darunter 144 Studenten. Es gab 355 erzwungene Geständnisse und 11.053 Vorladungen.