19.02.2026
Weltweit: Ramadan-Romantik unter Lichterketten
Am Aschermittwoch begann die christliche Fastenzeit, auch Passionszeit genannt. Ebenfalls am Abend des 18. Februar begann für die Muslime der Fastenmonat Ramadan.
IDEA / Der erste Fastentag ist der 19. Februar. Während Politik und Kirchen in Deutschland den Ramadan mit Respekt und guten Wünschen begleiten, bleibt eine kritische Auseinandersetzung oft aus. Ein Kommentar von IDEA-Leiter Dennis Pfeifer
Ramadan in Deutschland: Parteien senden Grußbotschaften, Kirchen posten Segenswünsche, in Frankfurt am Main leuchtet zum dritten Mal eine festliche Ramadan-Beleuchtung über der Einkaufsstraße „Freßgass“. Das Signal ist klar: Wertschätzung für muslimische Mitbürger, Respekt vor ihrer religiösen Praxis. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn Politiker und Kirchenvertreter sich für ein gutes Verhältnis zwischen Christen und Muslimen einsetzen. Doch während hierzulande Lichterketten mit der Aufschrift „Happy Ramadan“ aufgehängt werden, gehen im Iran Menschen ein anderes Risiko ein. Wie die „Tagesschau“ berichtet, verweigern sie das Fasten als Protest gegen das Mullah-Regime. Wer dort öffentlich isst oder trinkt, muss mit Strafen rechnen: Religiöse Praxis ist nicht nur Glaubenssache, sondern politisches Machtinstrument. Der Ramadan wird zum Gradmesser der Loyalität gegenüber einem System, das Andersdenkende brutal unterdrückt.
Christen in muslimischen Ländern unter Druck
Und noch etwas gehört zur Wahrheit: Für viele Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern ist der Fastenmonat keine Zeit besinnlicher Spiritualität, sondern erhöhter Anspannung. Hilfswerke wie „Open Doors“ berichten Jahr für Jahr von wachsendem Druck, verstärkter Überwachung und zunehmenden Übergriffen in dieser Zeit. Wer sich nicht am Fasten beteiligt oder geheim als Konvertit lebt, gerät leichter ins Visier. Hauskirchen sagen Treffen ab, Christen vermeiden öffentliche Sichtbarkeit aus Angst vor Denunziation.
Islamische Religionspolizei in Deutschland
Und auch in Deutschland wächst der Druck. Lehrer berichten, dass gläubige Jugendliche Mitschüler bedrängen, sich an das Fastengebot zu halten. Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, warnt gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur: „Manche Jugendliche spielen dann eine Art Religionspolizei.“ Khorchide weiter: „Sie werten Mitschüler ab, die nicht fasten wollen oder können, setzen sie emotional unter Druck oder mobben sie mit Sätzen wie: ‚Was für ein Muslim bist du?‘“
Für Muslime beten
All das blendet die deutsche Ramadan-Romantik aus. Wer hier gratuliert, sollte die gesamte Wirklichkeit im Blick behalten: die Religionsfreiheit der Muslime, eine Instrumentalisierung des Ramadans durch den politischen Islam auch in Deutschland und die fehlende Religionsfreiheit von Christen in islamisch geprägten Staaten. Zu meiner Religionsfreiheit als Christ zählt übrigens auch, dass ich dafür beten darf, dass Muslime Jesus Christus kennenlernen. Etwas, das die Kirchen in ihren Ramadan-Botschaften komplett vermissen lassen. Aber vielleicht kehrt der ein oder andere dazu um – es ist ja schließlich auch Passionszeit.