26.01.2026

Deutschland: Verletzen Angriffe auf freikirchliches Café die Religionsfreiheit?

Die Stadt Leipzig sagt Nein – Die Zeal Church widerspricht

Leipzig (IDEA) – Die wiederholten Attacken auf das „Stay“-Café der freikirchlichen Zeal Church in Leipzig gefährden nach Ansicht der Stadt nicht die grundsätzliche Ausübung der Religionsfreiheit. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der BSW-Fraktion im Stadtrat hervor. Mutmaßliche Täter aus der linksextremen Szene haben seit der Eröffnung des Cafés vor fast zweieinhalb Jahren 24 Anschläge verübt. Den bisher größten Schaden richtete ein Buttersäure-Anschlag im vergangenen Dezember an. Allein die Kosten für Reinigung, Reparaturen und Renovierung belaufen sich nach Angaben der Zeal Church auf rund 20.000 Euro. Hinzu kommen entgangene Einnahmen wegen der vorübergehenden Schließung. Außerdem wurden wiederholt Fenster des Cafés eingeworfen und die Fassade mit Graffiti beschmiert. Die BSW-Fraktion richtete deshalb eine Anfrage an die Stadt Leipzig, wie sie die Angriffe bewertet. Die Kommune verweist auf ein Bekennerschreiben, demzufolge nicht die Religionsfreiheit angegriffen werde. Ziel sei vielmehr „ein kommerziell betriebenes Café, das zur Finanzierung einer Religionsgemeinschaft dient“. Begründet werde dies des Weiteren mit der Haltung des betreibenden Vereins zur Homosexualität. Die Stadt Leipzig verurteilt zugleich in ihrer Antwort „Gewalt und Sachbeschädigungen in all ihren Ausprägungen, insbesondere gegen Einrichtungen, die Menschen Raum für Begegnung, Austausch und Gemeinschaft bieten“. Wie es weiter heißt, bemüht sich die Stadt Leipzig im Osten der Stadt „durch verstärkte Präventionsmaßnahmen gezielt, eine Kultur zu schaffen, die fundamentalistisch motivierte Angriffe zurückweist“. Die Stadt fördere die friedliche und kooperative Koexistenz unterschiedlichster Religionsgemeinschaften.

Zeal Church: Angriffe sind „religiös motiviert“

In einer Stellungnahme weist die Zeal Church die Einschätzung der Stadt, wonach die Religionsfreiheit durch die Angriffe nicht berührt sei, „in dieser pauschalen Form“ zurück. Zwar könnten Gottesdienste, religiöse Handlungen und interne Glaubenspraxis weiterhin stattfinden, „gleichwohl richten sich die Angriffe eindeutig gegen unsere religiöse Identität, unsere Theologie und unsere Glaubenspraxis und sind daher religiös motiviert“. Dies ergebe sich unter anderem aus Bekennerschreiben, öffentlichen Demonstrationen und Beiträgen in Online-Foren. Dabei werde nicht der Cafébetrieb als solcher, sondern ausdrücklich der Gesellschafter des Unternehmens, „der Zeal Church e.V. und unsere christliche Theologie, unser konservatives Werteverständnis sowie unser Verständnis von Ehe und Familie angegriffen und delegitimiert.“ Mitglieder und Mitarbeiter fühlten sich dadurch bedroht, hätten Angst und erlebten „eine Einschränkung ihrer Freiheit, ihren Glauben sichtbar zu machen“. Durch die Angriffe entstehe ein sogenannter “Chilling Effect“ (Abschreckungseffekt). Er führe dazu, dass konservative christliche oder religiöse Überzeugungen aus Angst vor Diskriminierung oder Angriffen im öffentlichen Raum nicht mehr geäußert würden.

Angriffe sind „antichristliches Hassverbrechen“

Die Anschläge gegen das „Stay“-Café fügten sich ein in die Zunahme antichristlicher Hassverbrechen. Die Zeal Church fordert eine „klare Anerkennung“, dass die Angriffe auf ihr Café „antichristlich motiviert sind“ und eine „eindeutige Stellungnahme“ des Leipziger Stadtrats. Außerdem ruft sie zu einem „klaren politischen Signal“ auf, dass auch konservative religiöse Überzeugungen unter dem Schutz der Religionsfreiheit stehen. Die Gemeinde betont ferner ihre Gesprächsbereitschaft. Die Zeal Church gehört zur größten Freikirche in Deutschland, dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP). Leitender Pastor der Gemeinde ist René Wagner.