26.01.2026
Syrien: Die „Hölle“ trifft auch Christen
Zu den Zusammenstößen zwischen Kurden und islamistischen Regierungstruppen in Syrien - ein Kommentar von Pfarrer Peter Fuchs
Die „Hölle des Krieges“ ist ausgebrochen – so berichtete uns ein CSI-Partner aus dem syrischen Aleppo im Januar mit Blick auf das Viertel Scheich Maksud. Es wurde bis vor kurzem von kurdischen Milizen kontrolliert. Die heftigen Zusammenstöße zwischen Kurden und islamistischen Regierungstruppen trafen auch die Christen, die dort eine von vielen anderen religiösen und ethnischen Minderheiten bilden. Der Nahostexperte und CSI-Beirat Prof. Fabrice Balanche hat erst kürzlich unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Syrien sei auf dem Weg in die Islamische Republik. Ahmed al-Scharaa, der als „Übergangspräsident“ regiert, hat seiner dschihadistischen Vergangenheit nicht abgeschworen. Sein Herrenanzug dient allein der Täuschung, um im Westen Gelder einzusammeln. Ziel des Regimes ist die Vertreibung der Minderheiten. Besonders betroffen sind Kurden, Drusen und Alawiten.
Regierung legt keinen Wert auf Autonomie
Eigentlich hatte die islamistische Regierung mit den kurdischen Behörden ein Abkommen ausgehandelt, um die Situation zu normalisieren. Die Eskalation seit Jahresbeginn zeigt, dass al-Scharaa keinen Wert auf kurdische Autonomie, auf Demokratie oder gar Menschenrechte legt. Dem Angriff auf die Kurden gingen massive Gewaltakte gegen Drusen und Alawiten sowie einzelne Übergriffe gegen Christen voraus. Im Sommer lieferten sich Drusen und syrisches Militär schwere Gefechte. Die kurdischen und drusischen Gebiete waren bei der letzten Parlamentswahl ausgeschlossen – und sie sind darin wie die Alawiten und auch die Christen unterrepräsentiert. Seit dem März-Massaker an Tausenden Alawiten gelten immer noch zahlreiche Frauen als entführt.
Zu oft wurden Christen Ziel islamistischer Gewalt
Die islamistische Regierung geht derzeit nicht offen gegen Christen vor, um im Westen nicht negativ aufzufallen. Das ändert nichts an der täglichen Diskriminierung auf dem Weg hin zu einer Islamischen Republik. Wenn al-Scharaas Streitkräfte jetzt in das Gouvernement al-Hasaka im Nordosten Syriens einfallen – vor dem Krieg die Provinz mit dem höchsten Anteil an Christen –, treffen sie in der Provinzhauptstadt Hasaka auf einige Tausend assyrische und armenische Christen, die in den vergangenen Kriegsjahren nur zu oft das Ziel islamistischer Gewalt wurden und wissen, welche Gefahr von al-Scharaas Kämpfern ausgeht.
Was jetzt nötig ist
Um die Verhältnisse in Syrien zu ändern, müsste die Bundesregierung diese Realitäten endlich anerkennen. Sie sollte al-Scharaa klarmachen, dass die Achtung von Religionsfreiheit und Menschenrechten die Vorbedingung für jede finanzielle Unterstützung seitens der Bundesrepublik ist.
Der Autor, Pfarrer Peter Fuchs, ist Geschäftsführer des Hilfswerks Christian Solidarity International (CSI) in Deutschland.