15.06.2026

Ukraine: Kiewer Höhlenkloster bei russischem Angriff in Brand geraten

Selenskyj spricht von schwerem Verbrechen gegen christliche Kultur

Kiew (IDEA) – Bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist die Hauptkirche des zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Kiewer Höhlenklosters in Brand geraten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach auf dem Kurznachrichtenkanal X (ehemals Twitter) von einem der „schwerwiegendsten Verbrechen, die Russland bislang gegen die christliche Kultur begangen hat“. Vor allem die Mariä-Entschlafens-Kathedrale wurde getroffen, das Dach stand in Flammen. Laut Selenskyj sind in der Nacht zum 15. Juni insgesamt 70 Raketen und 611 Drohnen gegen die Ukraine eingesetzt worden, davon mehr als 60 Raketen allein gegen die Hauptstadt. In Kiew seien vier Menschen getötet und 28 verletzt worden. Auch die Regionen Kiew, Dnipro, Donezk, Saporischschja, Sumy und Mykolajiw seien angegriffen worden. Nach Angaben des ukrainischen Staatlichen Rettungsdienstes konnte der Brand auf dem Dach des Klosters gelöscht werden. Ikonen und andere Heiligtümer wurden in Sicherheit gebracht. Russland wies die Verantwortung für die Schäden am Höhlenkloster zurück. Laut dem russischen Verteidigungsministerium ist eine US-Luftabwehrrakete vom Typ Patriot auf dem Klostergelände eingeschlagen.

Reaktionen aus Europa

Die Kommissionspräsidentin der Europäischen Union (EU), Ursula von der Leyen, äußerte sich auf X bestürzt über den Angriff. Beim Treffen der G7-Staaten vom 15. bis 17. Juni in Evian (Frankreich) werde man über weitere Schritte beraten, um den Druck auf Russland zu erhöhen und Präsident Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zu bringen. Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron äußerte sich auf X. Das Kiewer Höhlenkloster sei „einer der bedeutendsten Orte der ukrainischen Orthodoxie“. Nichts rechtfertige diesen Angriff auf das „universelle Erbe“, ebenso wenig wie den seit mehr als vier Jahren von Russland geführten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Frankreich sei bereit, mit den für das Kulturerbe zuständigen ukrainischen Behörden zusammenzuarbeiten. Der Angriff stärke nur die Entschlossenheit, gemeinsam mit den Verbündeten und Partnern auf eine Waffenruhe hinzuwirken, die Russland weiterhin „hartnäckig verweigere“, und anschließend auf einen Frieden. Dafür werde man sich beim G7-Gipfel in Evian einsetzen.

Das Kiewer Höhlenkloster

Das Kiewer Höhlenkloster liegt am Westufer des Dnepr südlich des Stadtzentrums von Kiew. Seit seiner Gründung im Jahr 1051 ist es eines der wichtigsten Zentren des orthodoxen Christentums. Der von Mauern umgebene Komplex teilt sich in die obere und die untere Lawra und umfasst rund 140 Gebäude, darunter den 88 Meter hohen Glockenturm, die Dreifaltigkeitstor-Kirche und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Seit 1990 gehört die Anlage zum UNESCO-Welterbe. Das Kloster gehört dem ukrainischen Staat.