02.03.2026
Afghanistan: Taliban legalisieren Gewalt gegen Frauen und Kinder
Ein neues Taliban-Gesetz erklärt Gewalt gegen Frauen zur Privatsache und kriminalisiert Andersdenkende. Die UNO spricht von einem "Friedhof für Menschenrechte".
Ein neues Taliban-Gesetz erklärt Gewalt gegen Frauen zur Privatsache. Die UNO spricht von einem „Friedhof für Menschenrechte“.
Wie die Vereinten Nationen und zahlreiche Medien übereinstimmend berichten, haben die Taliban Anfang des Jahres ein neues Gesetz (Englisch) verabschiedet, das „korrigierende Strafen“ durch Ehemänner oder religiöse Autoritäten erlaubt. In 119 Artikeln wird geregelt, wer bei vermeintlichen religiösen Vergehen Strafen verhängen darf. Selbst schwere Gewalt gegen Frauen führt demnach nur zu minimalen Konsequenzen – etwa 15 Tage Gefängnis bei Knochenbrüchen.
Menschenrechtsorganisationen und Expertinnen warnen vor dramatischen Folgen. Die afghanische Politikerin Fawzia Koofi sagte gegenüber der spanischen Zeitung El País: „Wie kann eine Frau ihren Mann anzeigen, wenn er nach 15 Tagen zurückkehrt und ihr Leben bedroht?“ Das neue Gesetz gebe Ehemännern die Möglichkeit, ihre Frauen legal zu foltern. Zum Vergleich: Lässt ein Mann Tiere gegeneinander kämpfen, drohen fünf Monate Gefängnis.
Das neue Gesetz enthält weitere drastische Bestimmungen. Wer tanzt oder bei einem Tanz zuschaut, muss mit zwei Monaten Gefängnis rechnen. Fällt eine Frau vom Islam ab, soll sie auf „unbestimmte Zeit“ inhaftiert werden und alle drei Tage zehn Peitschenhiebe erhalten, damit sie zum Islam zurückkehrt.
Haft und Peitschenhiebe
Das Gesetz sieht zudem harte Strafen für jede Form von Opposition vor. Beleidigungen gegen Taliban-Führer Hibatullah Akhundzada sollen mit Haft und Peitschenhieben geahndet werden. Menschen, die als „schädlich für die Gesellschaft“ gelten – darunter homosexuelle Menschen – droht die Todesstrafe. Uno-Menschenrechtskommissar Volker Türk warnte in Genf, Afghanistan sei zu einem „Friedhof für Menschenrechte“ geworden.
Seit der Rückkehr der Taliban vor fünf Jahren seien Frauen zunehmend vom Arbeitsmarkt und von Bildung ausgeschlossen, berichtet UN Women. Vor der Machtübernahme durch die Taliban im Jahr 2021 hätten Frauen theoretisch für das Präsidentenamt kandidieren können. Mittlerweile sei ihnen öffentliches Auftreten quasi komplett untersagt. Rund 78 Prozent der afghanischen Frauen könnten weder zur Schule gehen, noch eine Ausbildung machen oder arbeiten.
Quelle: www.jesus.de