02.03.2026
Deutschland: Mutmaßlicher Messerstecher tot in seiner Zelle gefunden
Würzburg: Er hatte am Würzburger Hauptbahnhof drei Zeugen Jehovas attackiert
Würzburg (IDEA) – Eine Woche nach der Messerattacke auf drei Männer der Glaubensgemeinschaft der Zeuge Jehovas am Würzburger Hauptbahnhof ist der mutmaßliche Täter tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Die Ermittler gehen von Suizid aus. Der 35-jährige afghanische Staatsangehörige sei am 2. März gegen 6.40 Uhr leblos in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Würzburg gefunden worden. Das teilte eine Polizeisprecherin mit. Der Tatverdächtige soll am Morgen des 23. Februars mit einem Messer bewaffnet einen Stand der Zeugen Jehovas angegriffen haben. Nach seiner Festnahme war er in Untersuchungshaft gekommen. Der Polizei zufolge trat der Täter an einen Stand der Zeugen Jehovas heran und führte unvermittelt mehrere Stichbewegungen in Richtung eines 68-jährigen Mannes aus. Anschließend griff er auch einen 55-jährigen und einen 51-jährigen Mann körperlich an. Die drei Geschädigten erlitten leichte Verletzungen, jedoch keine Schnitt- oder Stichverletzungen.
Abgelehnte Asylbewerber hatte Duldung
Der Afghane lebte laut Staatsanwaltschaft seit 2023 in Deutschland. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden. Er habe jedoch über eine Duldung verfügt. Das Motiv der Attacke auf die Zeugen Jehovas ist bislang nicht bekannt. Der Tatverdächtige hatte sich nicht dazu geäußert. Passanten, darunter ein Polizist in Zivil, hatten den Angreifer überwältigt. Ein Richter hatte daraufhin aufgrund des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes und der versuchten gefährlichen Körperverletzung Untersuchungshaft angeordnet. Der Mann sei nicht vorbestraft gewesen. Allerdings habe ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung gegen ihn vorgelegen. Erkenntnisse darüber, ob der Flüchtling psychisch krank war, hatten die Ermittler bisher nicht.
Zeugen Jehovas sind eine religiöse Sondergemeinschaft
Die Zeugen Jehovas sind eine religiöse Sondergemeinschaft, die sich selbst als christlich versteht. Die Gruppe wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem Geschäftsmann Charles Taze Russell (1852–1916) in den USA gegründet. Sie glauben nicht an die Göttlichkeit Jesu. Die Anhänger folgen einer eigenen Bibelauslegung und glauben an Jehova als „allmächtigen Gott und Schöpfer“. Sie sind davon überzeugt, dass eine neue Welt bevorsteht und sie als auserwählte Gemeinde gerettet werden. Die Zeugen Jehovas unterwerfen sich strengen Vorschriften. Das Feiern von Geburtstagen und kirchlichen Festen wie Weihnachten und Ostern lehnen sie als „heidnische Bräuche“ ab. Die weltweit über neun Millionen Mitglieder in 195 Ländern verweigern sich Bluttransfusionen ebenso wie dem Militärdienst und der Teilnahme an Wahlen. In Deutschland hat die Gemeinschaft nach eigenen Angaben rund 180.000 aktive Mitglieder. Die deutsche Zentrale befindet sich in Selters (Taunus).