02.03.2026
Naher Osten: Eskalation könnte das Aus für die Christen in Nahost sein
Christen in der Region haben Angst vor negativen Auswirkungen
(Kirche in Not ) München (IDEA) – Vor einem Flächenbrand im Nahen Osten angesichts der jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen im Iran und den Nachbarländern hat das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN/München) gewarnt. Dieser hätte unabsehbare Folgen für die christliche Minderheit in der Region, teilte der Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland, Florian Ripka, in einer Pressemitteilung mit: „Eine weitere Eskalation könnte das Aus für die Christen im Nahen Osten bedeuten.“ Zum Hintergrund: Am 28. Februar starteten Israel und die Vereinigten Staaten einen Überraschungsangriff gegen den Iran. Dabei starben neben weiteren hochrangigen Funktionären des dortigen Regimes auch der oberste geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei. Der Iran reagierte auf die Operation „The Lion‘s Roar“ mit Gegenangriffen auf US-Basen, Israel und arabische Verbündete der Vereinigten Staaten. Experten befürchten eine Ausweitung des Konflikts. Die Hisbollah im Libanon hat als Verbündete des Iran bereits mit Raketenangriffen auf Israel begonnen, auf die Israel wiederum mit Gegenmaßnahmen antwortete. Ripka verwies in der Pressemitteilung auf die schwierige Lage der Christen im Iran selbst. Besonders Konvertiten würden unter dem Mullah-Regime verfolgt. „Allein über die Christen im Iran zu reden, ist mitunter schon gefährlich für sie.“ Zu begrüßen sei, wenn der Ruf nach Freiheit im Iran jetzt endlich auch im Leben der Menschen ankomme. „Aber der Preis eines erneuten Krieges wäre hoch, zumal er auch Zivilisten trifft und viele Christen zu den schutzlosesten Gruppen im Iran zählen“, gab er zu bedenken.
Angst vor mehr Hass gegen Christen
Wie Ripka weiter ausführte, ist auch unter den Christen im Irak, in Syrien, im Libanon und im Heiligen Land die Angst hoch: „Der militante Islamismus verursacht Leid und Terror. Aber viele Christen fragen sich: Wird ein Krieg nicht zu noch mehr Hass und Extremismus führen?“ Im Irak, der an den Iran grenzt, seien christliche Dörfer gerade wieder instandgesetzt worden. Die Christen würden eine erneute Zerstörung kaum verkraften. Zudem verstärkten erneute Kriege die Zukunftsängste. Viele Christen seien ins Ausland gegangen. Geblieben seien oft arme und ältere Menschen: „Was soll mit denen werden?“ Auch die Lage in Syrien sei nicht abzuschätzen, denn dort gebe es viele Islamisten. Sie seien unkontrollierbar und eine ernste Bedrohung für Minderheiten. Christen gelten oft als vermeintlich „westlich“. Im Süden des Libanon seien Christen in den vergangenen Jahren von Militärschlägen gegen die Terrororganisation Hisbollah betroffen gewesen. „Sie wollen Frieden – und werden dennoch zu Opfern im Krieg – das wäre auch jetzt nicht anders“, so Ripka.
Heiliges Land: Fehlende Touristen und Pilger treffen Christen
Im Heiligen Land sei die aktuelle Entwicklung ebenfalls ein schwerer Rückschlag: „In Gaza ist die humanitäre Lage verheerend. Wenn jetzt Hilfslieferungen eingeschränkt werden sollten, kann die einzige verbleibende katholische Gemeinde nicht überleben – und Tausende Menschen in der Nachbarschaft nicht mehr versorgen.“ Die Christen im Westjordanland hätten jetzt, kurz vor Ostern, auf wieder mehr Pilger und Touristen gehofft. „Diese Hoffnung ist jetzt zerstört“, erläuterte Ripka. Somit hätten viele Christen keine Einkünfte und keine Existenzgrundlage. Trotz dieser prekären Lage würden Pfarreien und Klöster ihre Arbeit im Nahen Osten nicht stoppen. Ripka: „Sie geben Lebensmittel aus, betreiben Schulen, beherbergen Flüchtlinge, treten für Aussöhnung ein – so lange wie möglich.“ Ripka rief zu Gebet und Spenden auf: „Die Arbeit der Kirche im Nahen Osten muss weitergehen.“ Kirche in Not betreut nach eigenen Angaben weltweit 5.573 Hilfsprojekte in 138 Ländern, die allein durch Spenden finanziert werden. Im Nahen Osten setzte das katholische Hilfswerk im Jahr 2024 über 400 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ca. 16,7 Millionen Euro um.