03.03.2026
USA: Krieg gegen Iran - US-Christen sind gespalten
Viele Evangelikale begrüßen den Militärschlag, Katholiken warnen hingegen
Washington (IDEA) – Die US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe auf den Iran und der Tod des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei haben bei Kirchen und Religionsgemeinschaften in den USA kontroverse Reaktionen hervorgerufen. US-Präsident Donald Trump hatte die Nachricht vom Tod Khameneis am 28. Februar verkündet und rief das iranische Volk auf, die Macht zu übernehmen: „Das ist der Moment zum Handeln. Lasst ihn nicht verstreichen.“ Auch vier US-Soldaten kamen bisher im Rahmen der Operation ums Leben. Während evangelikale Stimmen den Militärschlag begrüßten und zum Gebet für das US-Militär aufriefen, forderte die US-amerikanische katholische Bischofskonferenz ein Ende der Gewalt und eine Rückkehr zur Diplomatie.
Graham: „Betet für unser Militär!“
Der Evangelist Franklin Graham (Charlotte/Bundesstaat North Carolina) wies auf X (ehemals Twitter) darauf hin, dass iranische Exilanten in den Vereinigten Staaten und weltweit feierten. Er habe einige von ihnen in Minnesota gesehen. Sie dankten Präsident Trump und Amerika „für das Handeln gegen das islamische Regime, das die Menschen im Iran gefangen hielt und sie über vier Jahrzehnte lang brutal unterdrückte“. Graham rief zum Gebet für das US-Militär auf, „insbesondere für die Familien der vier Soldaten“, die im Rahmen der Operation „das höchste Opfer“ gebracht hätten.
Baptisten-Theologe Mohler: „Eine Tür für eine neue Zukunft“
Der Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten (Southern Baptist Theological Seminary), Albert Mohler Jr. (Louisville/US-Bundesstaat Kentucky), begrüßte die Militäraktion in einem Kommentar für das evangelikale Magazin „World“. Der Tod Khameneis sei eine „gute Nachricht“. Egal wie man es betrachte, der langjährige iranische Machthaber habe „eine der blutigsten und tyrannischsten Bilanzen“ in der Geschichte des Mittleren Ostens vorzuweisen. Sowohl Israel als auch die USA hätten jede Hoffnung auf ein Abkommen mit seinem Regime aufgegeben, nachdem der Iran kurz davor gestanden habe, hochmoderne Hyperschallraketen aus China zu erhalten, seinen Terrorismus fortgesetzt und sein Atomprogramm weiterverfolgt habe. Die massiven Angriffe hätten „eine Tür für eine neue Zukunft im Iran aufgestoßen“. Zugleich räumte Mohler ein, dass der weitere Verlauf ungewiss sei. Trumps politische Reputation stehe nun auf dem Spiel, und die gefürchteten iranischen Revolutionsgarden seien nach wie vor stark.
Katholische Bischöfe rufen zur Rückkehr zu Diplomatie auf
Der Präsident der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Paul S. Coakley (Oklahoma City), schloss sich einem Appell von Papst Leo XIV. an. Dieser hatte auf X dazu aufgerufen, die Gewaltspirale zu stoppen, bevor sie zu einem „unüberbrückbaren Abgrund“ werde. Coakley betonte die dringende Notwendigkeit von Zurückhaltung und konkreten Schritten zur Beendigung des Konflikts. Der Konflikt drohe, sich zu einem größeren regionalen Krieg auszuweiten. Er und die übrigen Bischöfe schlössen sich dem Papst an und richteten „den herzlichen Appell an alle beteiligten Parteien, der Diplomatie wieder ihre angemessene Rolle einzuräumen“. Coakley lud die Katholiken und alle Menschen guten Willens ein, für den Frieden im Nahen Osten sowie „für die Sicherheit unserer Truppen und der Unschuldigen“ zu beten.
Jüdische Organisation: Verantwortung für die Krise liegt beim Regime
Das „American Jewish Committee“ (Amerikanisch-Jüdisches Komitee/AJC) stellte sich hinter die Militäraktion der USA und Israels. Die Welt werde ein sicherer Ort sein, wenn die Bedrohung durch die illegalen Nuklear- und Raketenprogramme des iranischen Regimes zusammen mit dessen Revolutionsgarden ein für alle Mal beseitigt sei, heißt es in einer Stellungnahme. Das Komitee betonte, es habe die zahlreichen diplomatischen Bemühungen der Trump-Regierung unterstützt und sei dankbar für das „unerschütterliche Engagement des Präsidenten, den Iran am Erwerb einer Atomwaffe zu hindern“. Das iranische Regime habe jedoch wiederholt gezeigt, dass es nicht bereit sei, in gutem Glauben zu verhandeln. Die Verantwortung für die Krise liege „vollständig bei Teheran“. Zugleich erklärte das AJC seine Solidarität mit dem iranischen Volk in dessen „Wunsch nach Freiheit“.
US-Muslime verurteilen die Angriffe
Das „Council for American-Islamic Relations“ (Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen/CAIR) verurteilte die Militäraktion hingegen scharf. Die Bürgerrechtsorganisation bezeichnete den Einsatz als „unnötigen, ungerechtfertigten und verfassungswidrigen“ Regimewechsel-Krieg, der auf Druck der israelischen Regierung und ihrer Unterstützer geführt werde. Die Organisation verwies darauf, dass die Angriffe während laufender Verhandlungen und während des islamischen Fastenmonats Ramadan durchgeführt worden seien. Der Rat rief die US-Bevölkerung und den Kongress dazu auf, sich für ein Ende des Kriegs einzusetzen – bevor weitere US-Soldaten und Bewohner in der Nahost-Region ihr Leben verlieren. Er verurteilte zudem die Tötung von Zivilisten bei der Bombardierung einer Mädchenschule im südiranischen Minab. Die iranischen Staatsmedien berichteten in diesem Zusammenhang von mittlerweile 165 Toten. Bisher konnten die Angaben laut Medienberichten jedoch nicht verifiziert werden. Es ist zudem weder sicher, wer für den Angriff verantwortlich war, noch ob die Schule überhaupt das eigentliche Ziel war oder nicht vielmehr zwei nahegelegene Gebäude der Revolutionsgarden. Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen hat angekündigt, zu prüfen, ob es sich um ein Kriegsverbrechen gehandelt habe.