04.03.2026
Indien: Drei Mitglieder einer christlichen Familie ermordet
War es ein Streit um den Glauben oder um Land?
Anandapur (IDEA) – Im ostindischen Bundesstaat Odisha sind drei Mitglieder einer christlichen Familie ermordet worden. Nach Angaben der Polizei geht die Tat auf einen Streit um ein Stück Land zurück. Dagegen teilte das britische Hilfswerk CSW (ehemals Christian Solidarity Worldwide/Christliche Solidarität weltweit) mit, dass die drei wegen ihres christlichen Glaubens getötet worden seien. Bei den Opfern handelt es sich um Jitendra Soren, seine Frau Malati Soren und ihre 15-jährige Tochter. Wie CSW berichtet, war die einst hindustische Familie war erst vor einem Jahr zum Christentum konvertiert. Am Tattag sei die Familie von einem Gottesdienst zu ihrem Haus im Dorf Nialijharan zurückgekehrt. Dort seien sie von Verwandten beschuldigt worden, dass ihr Kirchenbesuch eine Nichte krank gemacht habe. Überdies warfen die Angehörigen den Christen vor, schwarze Magie zu praktizieren. Alle drei wurden mit einer Axt erschlagen. Eine jüngere Tochter konnte fliehen. Ihr Sohn war zum Tatzeitpunkt unterwegs, eine ältere Tochter ist bereits verheiratet. Nach Angaben von CSW fanden die Überlebenden bei Bekannten Zuflucht, gelten jedoch weiterhin als gefährdet.
Drei Verdächtige verhaftet
Wie die Onlinezeitung Christian Post (Washington) berichtet, hat die Polizei drei Tatverdächtige festgenommen und mitgeteilt, dass ein langjähriger Landstreit innerhalb der Großfamilie zu der Gewalt beigetragen haben könnte. Dagegen erklärte der überlebende Sohn, Suguda Soren, gegenüber CSW, dass sich die Spannungen seit der Hinwendung seiner Eltern zum Christentum aufgebaut hätten. Verwandte und Nachbarn hätten die Familie beschuldigt, Unglück und Krankheit über die Gemeinde gebracht zu haben. Zudem seien sie bedrängt worden, nicht mehr den Gottesdienst zu besuchen. Laut der christlichen Organisation „International Christian Concern“ (ICC/Washington) war Familie Soren die dritte im Dorf, die zum Christentum konvertierte.
Aktivist: Gewalt gegen Christen nimmt zu
Der Sprecher des christlichen Dachverbandes National United Christian Forum (Nationales Vereintes Christliches Forum), John Dayal (Neu-Delhi), erklärte gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur UCA News, dass die Morde an der Familie Soren einem wiederkehrenden Muster von Gewalt gegen Christen in Odisha und ganz Indien entsprächen. Teile der Medien des Bundesstaates hätten sich mit Polizei und politischen Akteuren verbündet, um mögliche religiöse Motive in solchen Fällen herunterzuspielen. Das allgemeine politische Klima in Odisha sowie die zunehmende antichristliche Gewalt in den von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) regierten Bundesstaaten erschwerten die Aufklärung solcher Morde. In Odisha habe es in den letzten Jahren eine Zunahme von Gewalt und Feindseligkeit gegenüber Christen gegeben. Von den etwa 1,4 Milliarden Einwohnern Indiens sind 72 Prozent Hindus, 14 Prozent Muslime und fünf Prozent Christen. Der Rest gehört kleineren Religionsgemeinschaften an.