05.03.2026
Nigeria: Zahl der Katholiken steigt trotz islamistischer Gewalt
Bischof: „Wenn die Kirche Verfolgung erlebt, wird der Glaube oft lebendiger“
Königstein im Taunus (IDEA) – Trotz jahrelanger islamistischer Gewalt im Nordosten Nigerias wächst die Zahl der Katholiken im Bistum Maiduguri (Bundesstaat Borno). Das berichteten Bischof Oliver Dashe Doeme und Weihbischof John Bakeni bei einem Besuch der deutschen Zentrale des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN/Königstein im Taunus). „Die Zahl der Katholiken in unserer Diözese ist heute höher als vor der Boko-Haram-Krise“, erklärte Bischof Dashe Doeme. Derzeit kehrten Tausende überwiegend katholische Christen zurück. Die Diözese Maiduguri gilt als Ursprungsregion der Terrorgruppe Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde). Gleichzeitig wurde die Stadt immer wieder Ziel von Angriffen durch die Islamisten. Seit 2009 wurden dort Schätzungen zufolge rund 20.000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben. Auch die katholische Kirche war laut Kirche in Not erheblich betroffen: Mehr als 200 Kirchen seien zerstört, über 90.000 Katholiken geflohen, 1.000 Gläubige getötet worden. 279 Christen seien entführt worden, 100 davon seien noch immer vermisst.
Lage vor Ort weiter angespannt
Weihbischof Bakeni erklärte, dass sich die Sicherheitslage in Maiduguri gegenüber anderen Regionen leicht verbessert habe. Dennoch herrsche weiterhin eine „Wolke aus Angst und Unsicherheit“. Täglich kämen Menschen durch Gewalt, Entführungen oder Überfälle ums Leben. Umso bemerkenswerter sei, dass nun viele Katholiken zurückkehrten: „Normalerweise müsste eine Kirche in Zeiten der Gewalt leerer werden. Doch wir erleben das Gegenteil“, so Bakeni. Jährlich würden überdies etwa 1.000 Kinder getauft, auch die Zahl der kirchlichen Trauungen steige. Die positiven Entwicklungen inmitten der anhaltenden Gefahr deuten die Bischöfe als Zeichen eines vertieften Glaubens: „Wenn die Kirche Verfolgung erlebt, wird der Glaube oft lebendiger“, so Doeme. Selbst unter unsicheren Bedingungen hätten Priester weiterhin Gottesdienste gefeiert und Sakramente gespendet. Nigeria kämpft seit Jahren mit massiver Gewalt durch unterschiedliche islamistische Gruppierungen. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump im Dezember 2025 Luftangriffe auf mutmaßliche Stellungen der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ fliegen lassen. Er begründete dies mit dem Vorgehen der Islamisten gegen Christen und drohte mit weiteren Angriffen, „wenn sie weiterhin Christen abschlachten“. Nigeria belegt auf dem Weltverfolgungsindex des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors Rang sieben der Länder, die Christen am stärksten verfolgen. Es ist mit über 230 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Etwa jeweils 46 Prozent der Bevölkerung sind Christen oder Muslime.